FDTF © Andrea Putz, wienkonzert.com
FDTF © Andrea Putz, wienkonzert.com

Klassentreffen der Gefühle: FDTF in der Arena

Die österreichische Band FDTF feiert eine eintägige Reunion in der ausverkauften Arena und erinnert an den besten heimischen Emo-Screamo-Export der 2000er.

»FDTF (ursprünglich From Dawn to Fall) war eine Alternative-Rock-Band aus Wien.« So steht es im Wikipedia-Eintrag der Band geschrieben, und der Schmerz liegt im Zeitwort »war«: FDTF hatten sich 2015 in den Ruhestand begeben, sich nach drei Alben, einer Akustik-EP und Touren um die halbe Welt für immer von der Bühne verabschiedet. Doch dann, am 7. Dezember 2023, kommt es zum vorweihnachtlichen Wunder: FDTF treten an zum Nostalgiekonzert. Acht Jahre nach dem letzten Auftritt und fünfzehn Jahre nach Veröffentlichung des ersten Albums gibt es »ein Klassentreffen, einen Abend für euch und uns«, wie Sänger Stoffl auf der Bühne sagt. Doch Halt, mit Klassentreffen ist das so eine Sache. Neugier treibt einen an hinzugehen, aber man weiß nicht so recht, was einen erwartet. Schauen die alle noch so aus wie immer? Wer hat Kinder und wenn ja, wie viele? Oder hier im konkreten Fall: Klingt die Band genauso gut wie früher?

FDTF © Andrea Putz, wienkonzert.com

Zeitsprung in die Vergangenheit

Ursprünglich in der Szene Wien geplant, dann hochgestuft in die Wiener Arena und schließlich dort vor vollem Hause, spielen FDTF, als wären nicht Jahre vergangen, sondern nur ein kurzer Moment, ein paar Sekunden Werbung auf YouTube. In der heiteren Stimmung des Publikums wird im Gedränge eine Armbanduhr verloren, der Besitzer bald gefunden. Ja, das Zeitgefühl kann einem an so einem Abend kurz abhandenkommen. Bei Songs wie »Days of Neon Grey« im Moshpit ist es fast so wie damals 2009 im Wiener Chelsea, als Showyourteeth Vorband waren und man nach dem Konzert müde und happy auf einer Couch bei Freunden einschlief, weil man noch kein eigenes Zimmer in Wien hatte.

Jetzt, in der Arena, moderieren Sänger Stoffl und Gitarrist Jojo durch die Songs und holen die Vergangenheit in die Gegenwart. Bei der Erklärung, wie das damals so war mit der allerersten Bandprobe und der ersten Platte »The Beginning«, ertönt der Ruf »Bestes Album!« aus dem Publikum. Doch eigentlich hat die Welt kein schlechtes FDTF-Album gesehen. »The Beginning« (2008), »Rising« (2011) und »B L V R S« (2015) sind vielfältig. »Rising« trägt die Sonne Italiens auf den Schultern des Poprock, »B L V R S« (»Believers«) dagegen ist außen gedämpft, innen voll mit zartem Schmelz und hat obendrauf die Hymne »You’re Not Alone«. 

FDTF © Andrea Putz, wienkonzert.com

Emo, nicht vergessen

Allerdings markiert »The Beginning« auch einen bestimmten Moment der Musikgeschichte, und vielleicht war es ja das, was der Rufer aus der Menge meinte. FDTFs erstes Album fiel in die internationale, emotionale Emo-Zeit. Bands wie Silverstein (Kanada), Senses Fail (USA) und Funeral for a Friend (UK) halfen den Hörenden durch öde Schul-, Arbeits- und Zivildiensttage. My Chemical Romance, Brand New, Taking Back Sunday, Thursday und Hawthorne Heights (USA) standen hoch im Kurs. Mit »The Beginning« spielten FDTF in dieser Klang- und Gefühlswelt und produzierten Österreichs besten Emo-Screamo-Export. Das soll schon aus musikwissenschaftlichen Gründen nicht vergessen sein.

»Ein Abend der Nostalgie« wurde an diesem Tag in der Arena angekündigt und nach Confetti-Regen und Zugaben gilt das Versprechen von FDTF als eingelöst. Das Nostalgiefeuerwerk hat gezündet. Ein Hauch Historie schwebt durch den Saal. Wie geht es nun weiter? Vorwärts, oft eh als Beginners, und immer als Believers. 

FDTF © Andrea Putz, wienkonzert.com

Link: https://www.instagram.com/wearefdtf/

favicon

Home / Musik / Konzert

Text
Stefan Lessmann

Veröffentlichung
13.12.2023

Schlagwörter


Ähnliche Beiträge

Nach oben scrollen