Red Hot Chili Peppers © Live Nation
Red Hot Chili Peppers © Live Nation

Wenn die Plastikhüften schwingen und du schwingst mit

Volles Stadion und zufriedene Endverbraucher*innen boten die Red Hot Chili Peppers am 14. Juli 2023 live in Wien. Ein Erfolg auch dank Unterstützung von King Princess und eines gewissen Herrn Pop.

Dort wo Alaba und Arnautovic normalerweise zu Scooter-Bässen ihre Tore bejubeln, durften Musikgiganten ihre (nicht immer echten) Hüften schwingen: Die bekanntesten Funk-Punk-Rock-Ikonen, die die Mainstream-Musik zu bieten hat, die Red Hot Chili Peppers, beglückten am Freitag, dem 14. Juli 2023 das ausverkaufte Ernst-Happel-Stadion. Mit im Schlepptau ihr Tour-Special-Guest und sicherlich eine ihrer größten Inspirationen, der »Godfather of Punk« Iggy Pop, und eine bei uns noch unbekanntere, aber ebenso erwähnenswerte King Princess. Veraltet sind vielleicht die herkömmlichen Soundtechnik-Probleme des Ernst-Happel-Stadions oder der Umstand, dass man in der größten Konzert-Venue Österreichs nur beschränkt mit Karte bezahlen kann, die alten Herren auf der Bühne zeigten sich allerdings in wunderbarer Verfassung! 

Warm-up mit King Princess 

Eine erfrischende Überraschung an diesem heißen Juli-Abend bietet der erste Act im Vorabendprogramm, die US-amerikanische Singer-Songwriterin King Princess. Begleitet von ihrer Band sorgt sie mit ihrer gefühlvollen Stimme auf poppigen Rock-Nummern wie »1950«, »Cursed« oder »Talia« für einen gelungenen Einstieg. Laut, wie man es sich von einem Opener auf einem RHCP-Konzert wünscht, trotz der Hitze mit konstant energischem Auftritt und immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Bitter nur, dass sie an diesem Abend hauptsächlich dann heftigen Applaus bekommt, wenn sie die Red Hot Chili Peppers oder Iggy Pop erwähnt.

Und nach ihr? Das große Warten … Während die Bühne umgebaut wird, werden random Hits aus dem Standard-Repertoire der Ernst-Happel-Jukebox abgespielt. Nach einem ewigen Intro und billigen Adobe-Effekten auf den die Bühne umgebenden Riesenleinwänden heißt es endlich Vorhang auf für den nächsten »Support-Act«. Nur, dass dieser liebe Herr nicht im Vorprogramm der Tour ist, um seine Bühnenkenntnisse zu verbessern oder weil sein Management will, dass er einer breiteren Masse bekannt wird. Dieser Mann liefert bereits seit den 1960ern Erfolge und benötigt eigentlich keine Introduction mehr: Iggy Pop springt auf die Bühne.

Pop mit Zauberkräften

Und ja er springt wirklich … Auch wenn er einmal sein Mikro verliert, für ein paar Momente auf dem Boden liegt und natürlich einen altersentsprechenden Gang vorweist. Iggy ist live wie der liebende Großvater, der trotz hohen Alters zum Fußballspielen in den Garten kommt und für die Enkelkinder nochmal die Trickkiste samt »Raw Power« und »Lust for Life« auspackt. Und auch wenn er teilweise wie eine zum Leben erwachte Madame-Tussauds-Wachsfigur aussieht, zeigt er, warum bei ihm die Zeit für den Ruhestand noch lange nicht gekommen ist. 

Er singt, springt, dreht seine Arme durch, als wäre das nichts für ihn (Shout-out an seine Ärzt*innen, die scheinbar Zauberkräfte haben müssen) und zeigt die vielleicht nicht so breite, aber nackte und mit Stolz erfüllte Brust. Der Punk-Silberrücken. Eine musikalische Naturgewalt, ein Entertainer, der noch nicht genug hat und das Bad in der Menge liebt, genauso wie das Publikum ihn liebt. Als er sein Mikrofon in die Hose steckt, um mit beiden Händen klatschen zu können und das Publikum zu animieren, zögert niemand im Stadion. Wenn Iggy Pop auf der Bühne steht, dann wird bereits seit Jahrzehnten geklatscht, getanzt und applaudiert. Abschließend auch noch der Hit, den Generationen mitsummen können: »La la la la lalala la« grölt es dank »Passenger« durch den Prater. 

Mitsingen auch mit den Peppers

Um 20:48 Uhr ist dann Showtime für die Main Acts: Der Journalist aus Graz neben mir. Die aufgebrezelte Soccer Mom. Der Typ aus Litauen, der extra fürs Konzert angereist ist. Die beiden Burschen mit ihrem Vater, der ihnen wahrscheinlich seit ihrer Kindheit von dieser Band erzählt hat. Und alle restlichen 45.000 Besucher*innen des Ernst-Happel-Stadions … zucken aus. Wir bekommen, was wir wollen: Nach sieben Jahren sind die Red Hot Chili Peppers zurück in Wien. 

Nach einem langen Intro hauen die Kalifornier mit »Snow (Hey Yo)« gleich den ersten altbekannten RHCP-Track raus. Der erste, den alle, auch nach acht Bier, mitsingen können. Und auch wenn an diesem Abend nicht alle bekannten Hits performt werden (»Under the Bridge« wird von vielen schmerzlich vermisst): Es sei ihnen verziehen. Wenn man fast alle paar Tage wieder vor zigtausenden Menschen steht, kann Abwechslung aus Sicht der Artists sicherlich guttun. 

Dennoch passt ihre Bühnenperformance zu ihrem Legendenstatus, wie der Schnurrbart zu dem ewig jungen Frontmann Anthony Kiedis. Auch wenn er mit einer Orthese an dem einen und einem Stützverband an dem anderen Bein auf der Bühne steht, seiner ewig frischen Aura kann das nichts anhaben. Gemeinsam mit Chad Smith, dem Schlagzeuger, der aussieht wie Will Farrell, Frusciante, dem Mann, der mit der Gitarre singt, und Flea, der auch diesmal mit Handstand auf die Bühne kommt und mit seinen Basssolos für ordentlich Krach sorgt, zeigt sich die Band von ihrer besten Seite. Gealtert, aber dennoch reif für die Bühne. 

Sind wir restlos glücklich?

Obwohl die Chili Peppers generell eher wenig mit dem Publikum interagieren, vergibt es ihnen, »Californication« sei Dank. Auch die eher experimentellen und unbekannteren Songs, die sie dazwischen in ihre Setlist eingebaut haben, sorgen nicht für einen Stimmungsabfall. Wenn RHCP aufspielen, dann sind die guten Vibes Programm. Und ja, »By the way« gehen beim gleichnamigen Track irgendwann fast alle Handys für das provisorische Lichtermeer in die Luft. 

Andere Konzertbesucher*innen erzählen mir später, dass die Stimme von Kiedis viel zu leise war. Wieder andere meinen, der Sound hat generell nicht gepasst … Der Großteil allerdings wird sich noch lange über dieses Konzert freuen. Der diverse Altersdurchschnitt beweist, warum manche musikalischen Urgesteine auch noch die nächsten Jahre auf Tour gehen müssen! Die Welt hat von manchen noch lange nicht genug. Red Hot Chili Peppers, Iggy Pop und King Princess, ein Line-up, bei dem sich alle drei wie Headliner anfühlen und einige Stunden für eine frische Brise an Festival-Feeling im Prater gesorgt haben.

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