Echoes of Softness © Hanna Fasching
Echoes of Softness © Hanna Fasching

Hydronoise und Soundpoesie

Keine Reizüberflutung, sondern sinnliches Floaten ist beim diesjährigen Sonic Territories Festival angesagt. »Where Water Gathers« versammelt vom 19. bis 25. Oktober großartige Sounds, reichend von Orgelkonzerten in Kirchenräumen bis zu einer Listening Session mit Brandon LaBelle. Ein Ausblick.

Sonic Territories ist mehr als das Festival, das vom 19. bis 25. Oktober 2026 Wien mit neuen avancierten Klängen versorgt. Nach dem Beinaheauszug aus der Seestadt Aspern, wo keine nachhaltige Verankerung ermöglicht wurde, dehnte das Festival seine Aktivitäten übers ganze Jahr aus. Wasser fungiert im weiten Universum von Sonic Territories als Metapher für Bewegung, Veränderung und das Zusammenkommen unterschiedlicher Strömungen. Wenn sich künstlerische Praktiken im Erfahrungsaustausch reiben, fließen ungeahnte Energien, die von queerfeministischem »Hydronoise« über soundpoetische Listening Sessions bis in sakrale, ätherische Klangräume expandieren. Näheres offenbart die künstlerische Leiterin Mimie Maggale im E-Mail-Interview mit skug. 

skug: Am 29. August 2026 hätte sich der Wiener Donaukanal in einen temporären Klangraum verwandeln sollen. Andreas Trobollowitschs Projekt »Santa Melodica (Sinking Harmonies)« wäre sicherlich ein poetischerer, klanginstallativerer Eingriff in die Stadtnatur geworden, als Bibizas Hedonismus-trunkene Donaukanalfahrt anlässlich dessen aktueller Albumpräsentation ein Monat davor. Wo im Bandpartykontext wohl schlechter Sound »regierte«, hätte dieses Donaukanaltreiben von 20 schwimmenden Ballons, deren Luftentweichen darüber montierten Melodicas wundervolle Klänge entlocken hätte sollen, mehr sinnliches Lustwandeln ermöglicht. Was waren die Gründe für die Absage und wann wird »Santa Melodica (Sinking Harmonies)« nachgeholt?

Mimie Maggale: Der Donaukanal ist ein faszinierender, aber auch ein anspruchsvoller Ort für eine künstlerische Intervention. Schiffsverkehr, behördliche Genehmigungen und enge Zeitfenster stellen besondere Anforderungen an die Produktion. Eine Woche vor der geplanten Umsetzung wurde leider klar, dass wir die Arbeit unter den gegebenen Bedingungen nicht so realisieren können, wie wir es uns künstlerisch vorgestellt hatten. Der genehmigte Standort bot uns nicht die notwendige Flexibilität. Deshalb möchten wir »Santa Melodica« 2027 an einer anderen Stelle am Donaukanal nachholen. 

Auszüge aus Andreas Trobollowitschs Werk wurden 2023 beim Elevate Festival in Graz vorgestellt. Wie bist du auf diesen großartigen Soundartist und Komponisten gestoßen?

Ich habe Andreas im April 2023 beim Sonica Festival in Ljubljana kennengelernt, wo er eine künstlerische Intervention an der Ljubljanica präsentierte. Seitdem verfolge ich seine Arbeit. Seine Kompositionen haben etwas Spielerisches und zugleich eine große poetische Qualität. Mit »Santa Melodica« wollten wir im Rahmen von Sonic Territories erstmals eine komplexere Klangarbeit im öffentlichen Raum in Wien realisieren. 

Den Kern von Sonic Territories bildet das Festival im Oktober. Welche Aktivitäten, außer dem leider verhinderten »Santa Melodica«-Projekt, gab es heuer und welche sind für 2027 in Planung?

2026 war für Sonic Territories in vielerlei Hinsicht ein Jahr der Veränderung. Wir haben über mehrere Jahre einen künstlerischen Schwerpunkt in der Seestadt aufgebaut, aber weder vonseiten der VHS Kulturgarage noch des Bezirks Donaustadt oder von Aspern Seestadt kamen konkrete Initiativen, um unsere Arbeit dort zu verankern. Gerade in einem Stadtentwicklungsgebiet reicht es meiner Meinung nach nicht, kulturelle Vielfalt als Standortqualität zu begrüßen – es braucht auch Strukturen und Ressourcen, die kontinuierliche künstlerische Arbeit ermöglichen. Für mich war klar, dass es für meine Arbeit mit Sonic Territories neue Strukturen braucht, die über die Organisation eines jährlichen Musikfestivals hinausgehen. Mich beschäftigt schon lange die Frage, wie sich künstlerische Prozesse nachhaltig begleiten und kontinuierliche Formen der Zusammenarbeit entwickeln lassen, ohne dabei die Verwertungslogik der Musik- und Kulturindustrie einfach zu reproduzieren. Mit unserem neuen Projektraum am Otto Wagner Areal in Verbindung mit dem Kollektiv Kaorle haben wir nun erstmals einen Ort, an dem wir unabhängig vom Festival kontinuierlich arbeiten und experimentieren können. Dort fand im Sommer »Hydronoise« statt, ein Workshop, der sich mit Wasser als queerfeministischem Klangmaterial auseinandersetzte. Uns geht es zunehmend darum, einen Raum zu schaffen, in dem neue künstlerische Prozesse, Begegnungen und längerfristige Kooperationen entstehen können. Und für 2027 träume ich von einem Festival im Grünen. Mit Bäumen, Wiesen, Schatten – und viel Raum zum Zuhören.

»Hydronoise« © Daria Savytska

»Sinking Melodies« hätte ein verheißungsvoller Auftakt sein können, nicht nur deshalb ist der diesjährige Festivaltitel »Where Water Gathers« treffend. Der Terminus Wasser wird nicht technisch oder biologisch interpretiert, sondern als verbindende Kraft. So gesehen ist es im Fluss, durch (Bau-)Körper und urbane Infrastrukturen hindurch. Bitte um ein Beispiel aus dem Programm wie sehr »Water Gathering« als eine Metapher für soziales Zusammenströmen fungieren könnte?

Als ich begonnen habe, über das diesjährige Festivalthema nachzudenken, wollte ich mich zunächst ganz unmittelbar mit Wasser als klanglichem Phänomen beschäftigen. In einer eher konventionellen, historisch stark männlich geprägten Perspektive wird Wasser häufig als etwas betrachtet, das sich von außen beobachten, analysieren und klanglich untersuchen lässt. Queerfeministische Ansätze stellen dem eine andere Sichtweise gegenüber: Wasser ist nichts, was außerhalb von uns existiert. Wir bestehen selbst zu einem großen Teil aus Wasser, sind Teil von Kreisläufen und stehen in ständiger Wechselwirkung mit unserer Umwelt. Wir selbst sind »bodies of water«. Dieser Perspektivwechsel hat mich sehr beschäftigt. Gleichzeitig wollte ich mich von der Vorstellung lösen, ein Festivalprogramm vor allem in festen Slots und Headlinern zu denken. Stattdessen habe ich stärker auf Begegnungen, Gespräche und die Interessen der beteiligten Künstler*innen reagiert. Ich habe mich gewissermaßen selbst ein Stück weit treiben lassen. So wurde Wasser für mich zunehmend zu einer Metapher für Bewegung, Veränderung und das Zusammenkommen unterschiedlicher Strömungen. Es geht nicht nur darum, Wasser »plätschern« zu hören, sondern die Energie spürbar zu machen, die entsteht, wenn unterschiedliche Menschen, künstlerische Praktiken und Erfahrungen aufeinandertreffen. Ein Beispiel dafür sind die »Porous Practices« im Rahmen von Adventurous Music Plateaux, bei denen Musiker*innen aus unterschiedlichen europäischen Kontexten zusammenkommen, um gemeinsam zu experimentieren. Aber auch unser Opening Dinner, bei dem gemeinsames Essen, Hören und Austausch zu einer kollektiven Erfahrung werden, folgt diesem Gedanken. »Where Water Gathers« ist für mich deshalb nicht nur ein Bild für das Zusammenströmen, sondern auch für die Offenheit gegenüber Veränderungen und neuen Möglichkeiten. Mich interessiert dabei zunehmend, wie Klang einen Raum verändert und zwischen Menschen etwas entstehen lässt, das über die Musik und die klassische Konzerterfahrung hinausgeht.

In unserer postkapitalistischen Welt der Schamlosigkeit ist der auf Heinrich Heine zurückgehende Spruch »Wasser predigen und Wein trinken« (1844, aus dem Versepos »Deutschland. Ein Wintermärchen«) beinahe obsolet. Warum mir das im Konnex zum Festivalauftakt, dem experimentellen »Opening Dinner – The River Mouth« am 19. Oktober am Otto Wagner Areal einfällt, ist mir ein Rätsel. Vielleicht wegen den Worten »sanfte Anarchie« im Programm. Dionysische Exzesse wird es ja wohl nicht geben, im Fine Dining, das als kollektives Ritual mit gemeinsamem Hören, Essen und Trinken als soziales Happening inszeniert wird? Inwiefern spielt Verzicht und Bescheidenheit eine eventuelle Rolle bei dieser Ermöglichung eines kulturellen Austauschs, klarerweise ohne Heuchelei?

»Es wird überall nur mit Wasser gekocht« fällt mir dazu ein und dass von uns insbesondere in der freien Szene oft erwartet wird, als wäre es eine Kleinigkeit, aus Wasser Wein oder Sternemenüs zu machen. Mit immer weniger Mitteln sollen wir immer größere Wunder vollbringen. Prekäre Arbeitsbedingungen bestimmen nach wie vor den Alltag vieler Künstler*innen, mit erheblichen Folgen für ihre Gesundheit. Das dürfen wir nicht einfach hinnehmen. Chris Ruf und Momo haben gemeinsam mit der 4lthangrund Küfa ein Konzept entwickelt, das politische Theorie, kollektive Praxis und Genuss miteinander verbindet. Im Zentrum steht eine pflanzenbasierte, von Pho inspirierte Suppe. Als Chris mir von ihrer Zubereitung erzählte, hat mich besonders der Prozess fasziniert: Die Brühe wird über viele Stunden gekocht, reduziert und geklärt. Unterschiedliche Zutaten geben ihre Aromen an das Wasser ab und verwandeln sich gemeinsam in etwas Neues. Das braucht Zeit, Aufmerksamkeit und Geduld. Darin liegt für mich auch eine politische Frage: Wer leistet die oft unsichtbare Arbeit, die Gemeinschaft überhaupt erst ermöglicht? Wie gehen wir mit unseren Ressourcen um? Und wie können Fürsorge, Konflikt und gemeinschaftlicher Genuss Teil einer anderen gesellschaftlichen Praxis werden? Vielleicht liegt die »sanfte Anarchie« also weniger im dionysischen Exzess als darin, für einen Abend gewohnte Rollen und Hierarchien aufzulösen und andere Formen des Miteinanders auszuprobieren. Wein wird dabei übrigens auch getrunken – dank der Unterstützung von Weingut Sigi Resch!

Chris & Momo: »Opening Dinner – The River Mouth« © Sonic Territories

Adventurous Music Plateaux (AMP), die hybride europäische Plattform für Konfrontationen zwischen Jazz, Impro- und Elektronikmusik, geht ins zweite Jahr. Österreichische Teilnehmer*innen sind Lissie Rettenwander, Kasho Chualan und Franz Hautzinger, die auf die Thereminspielerin Hekla aus Island, die Pianistin/Elektronikerin Mariana Miguel aus Portugal, die Posaunistin Chloé Ryo aus Frankreich und die Klangkünstlerin Carina Pesch aus Deutschland unter dem Signet »Waters Adrift« in verschiedenen Formationen treffen werden. Rotieren diese sechs Musiker*innen in den jeweiligen Partnerinstitutionen? Wie heißen diese in welchen Städten?

AMP ist im Grunde ein Filmprojekt, das sich mit Musik beschäftigt. Im Mittelpunkt steht dieses Jahr die Improvisation – das unmittelbare Zusammenspiel außergewöhnlicher Musiker*innen, die sich teilweise zum ersten Mal begegnen. Ich bin sehr gespannt, welche musikalischen Konstellationen daraus entstehen werden. Koordiniert wird AMP von der polnischen Plateaux Foundation. Zu den Partnern gehören unter anderem MONOM Studios in Berlin, Linecheck in Mailand und VIC Arts House in Aveiro, Portugal, sowie Organisationen in Spanien und Island. Eine feste Rotation der Musiker*innen zwischen den Partnerinstitutionen ist nicht vorgesehen. Jede Organisation gestaltet ihr Programm eigenständig. Auf meine Empfehlung hin wurden allerdings beispielsweise Rent nach Portugal, Rojin Sharafi nach Barcelona, Buenoventura nach Island und Julia Just nach Italien eingeladen. Der Austausch findet also vielmehr innerhalb der jeweiligen Projekte statt.

Die Orte der AMP-Präsentationen am 20. und 21. Oktober befinden sich im Pavillon 21 am Otto Wagner Areal. Die Listening Sessions laufen unter dem beschaulichen Titel »Acoustic Flows« in den Seestadt Studios, während im Pavillon 21 Lectures als »poröse Praktiken« vonstattengehen. Was ist damit in Bezug auf Wasser gemeint? Etwa ein Einsickern neuer Möglichkeiten der Dokumentation und Vermittlung durch 360°-Video und Dolby-Atmos–Klang? 

Genau! Mich interessiert dabei vor allem der Gedanke der Durchlässigkeit – zwischen künstlerischen Disziplinen, analogen und digitalen Räumen, aber auch zwischen Künstler*innen und Publikum. Mit 360°-Video und immersivem Dolby-Atmos-Klang versuchen wir, musikalische Begegnungen in neue audiovisuelle Räume zu übersetzen. Es geht dabei nicht nur darum, Konzerte zu dokumentieren, sondern auch darum, neue Technologien wie Virtual Reality nicht allein der Unterhaltungsindustrie und kommerziellen Anwendungen zu überlassen. Sollte sich VR in Zukunft stärker im Alltag etablieren, braucht es schließlich auch vielfältige künstlerische Inhalte, die das Potenzial dieses Mediums ausloten. »Practices« steht deshalb auch für eine künstlerische Haltung: Grenzen zwischen unterschiedlichen Praktiken und Technologien durchlässig zu machen und offen zu bleiben für das, was sich daraus entwickelt.

Dir ist aufmerksames Zuhören als gemeinschaftliche Praxis wichtig. In den Seestadt Studios findet das Research Lab »Listening Collectively: Acoustic Flows« unter anderem mit Beiträgen von Kate Donovan vom Research-Knoten Radio Otherwise statt. Zu empfehlen ist auch die Public Listening Session von Brandon LaBelle am 24. Oktober. Was ist bei »Sounding Cosmopoetic Rhythms« des renommierten Künstlers und Soundartist Brandon LaBelle zu erwarten? 

Es ist für mich eine besondere Ehre, Brandon LaBelle dank der Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien im diesjährigen Festivalprogramm präsentieren zu können. Brandon beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Zuhören als sozialer, politischer und künstlerischer Praxis. Besonders interessiert mich an seiner Arbeit, dass er Hören nicht als rein individuelle Wahrnehmung versteht, sondern als Möglichkeit, Beziehungen zu unserer Umgebung und zu anderen Menschen herzustellen. In »Sounding Cosmopoetic Rhythms: Time and Temporal Agency« geht es um unser Verhältnis zur Zeit. Welche Rhythmen bestimmen unseren Alltag und unser Zusammenleben? Und wie können wir durch bewusstes Zuhören andere Formen von Zeitlichkeit erfahren – jenseits von Beschleunigung, Produktivität und Effizienz? In einer Gesellschaft, in der ständig alles schneller gehen muss, ist es vielleicht schon ein radikaler Akt, sich gemeinsam drei Stunden Zeit zum Zuhören zu nehmen.

Kate Donovan © Bryan Zimmerman

Als gebranntes Kind des Katholizismus ist mir das Betupfen meiner Stirn mit Weihwasser aus den kleinen Wasserkesseln am Kircheneingang in gewisser Erinnerung. Kein »Heilendes Wasser«, sondern von den Eltern aufgetragene Pflicht. Das »Healing Water« steht bei »Echoes of Softness«, am 22. Oktober in der Pfarrkirche St. Florian in der Wiedner Hauptstraße allerdings unter einem anderen Stern. Valeria Lanner und Aaron Josi Sternbauer wagen mit Licht- und Videokünstlern wohl so etwas wie ein kleines Gesamtkunstwerk?

»Echoes of Softness« ist tatsächlich mein persönlicher Geheimtipp des diesjährigen Festivals! Die Pfarrkirche St. Florian ist ein außergewöhnlicher Raum, und ich bin sehr gespannt, wie Valeria Lanner und Aaron Josi Sternbauer ihn gemeinsam mit den beteiligten Künstler*innen verwandeln werden. Orgel, Elektronik, Stimme, Bewegung und Licht verschmelzen zu einer immersiven Klang- und Raumperformance. Das Publikum ist eingeladen, es sich auf Kissen und Decken bequem zu machen und den Raum aus einer anderen Perspektive zu erleben. Vielleicht ist es tatsächlich eine Art Gesamtkunstwerk – aber eines, das weniger auf große Gesten als auf Nähe, Verletzlichkeit und sinnliche Erfahrung setzt.

»Klangräume in Wiener Kirchen« nennt sich dieser Sonic Territories-Abschnitt vom 22. bis 24. Oktober. Was gab den Ausschlag, in sakrale Räumlichkeiten zu expandieren und wie bist du auf die drei Gotteshäuser gestoßen, die 2026 Festival-Locations sind? Welche Konzerte empfiehlst du speziell in der Erlöserkirche am Schüttel in der Leopoldstadt (»What The Water Carries«) bzw. der Glaubenskirche Simmering (»The Other Shore«).

Meine Begeisterung für die Orgel und ihre klanglichen Möglichkeiten ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Mich fasziniert besonders das Zusammenspiel von Orgel, Elektronik und Architektur. Der Kirchenraum wird dabei selbst zum Instrument, seine Akustik zum wesentlichen Bestandteil der Komposition. Die Erlöserkirche am Schüttel und die Glaubenskirche Simmering waren bereits 2025 Teil unseres Festivalprogramms. Die Pfarre St. Florian hatte ich damals ebenfalls schon im Auge, aber erst heuer konnten wir sie ins Programm aufnehmen. Besonders schön ist die Offenheit, mit der uns die Gemeinden begegnen. In der Glaubenskirche Simmering wurden wir im vergangenen Jahr unglaublich herzlich aufgenommen, und ich freue mich sehr, dass wir diese Zusammenarbeit fortsetzen können. Am 23. Oktober präsentieren wir in der Erlöserkirche am Schüttel »What the Water Carries« mit der herausragenden polnischen Komponistin Aleksandra Słyż, die wir dank der Unterstützung des Polnischen Instituts Wien einladen können. Ihre elektroakustischen Kompositionen faszinieren mich durch ihre intensive Klanglichkeit und die Art, wie sie mit Schichtungen, Spannungen und der körperlichen Wirkung von Klang arbeitet. Außerdem bringt der Komponist Robert Pockfuß sein neues Werk »Transient Fields« zur Uraufführung. In unseren Gesprächen haben wir uns viel mit Krankheit, Vergänglichkeit und dem Gedächtnisverlust im Alter beschäftigt. Diese Auseinandersetzung hat für mich eine besondere Bedeutung, gerade im Kontext eines Konzertabends, der sich mit dem beschäftigt, was die Zeit mit sich trägt. »The Other Shore« am 24. Oktober in der Glaubenskirche Simmering spannt einen dramaturgischen Bogen von der Geburt bis zum Tod. Den Anfang bildet »The Potential« von Jūra Elena Šedytė, eine Performance über Geburt und Birthrights. Anschließend bespielt Amar Priganica die Orgel der Glaubenskirche. Es folgt ein düster-ätherisches Set der isländischen Thereministin Hekla, bevor der New Choir den Abend mit bulgarischen Klageliedern akustisch ausklingen lässt.

hiff © Vivienne Aubin

Aktives Zuhören und die Betonung auf gemeinsames Erleben ist auch beim Festival-Outro am 25. Oktober auf dem Otto Wagner Areal die Devise. Unter dem Motto »Where We Gather« wird im Pavillon 19 ein »offener Listening Hub« kredenzt. Zu entdecken gilt es Sounds und Performances unter anderem von Yvo Kaufmann, Duo Zorale, Janine Jop & Lisa Pulsatilla, Zlata Zhdkv, DJ Rosi und hiff. Basis für die kuratierte Playlist ist die »Liquid Resonance Exhibition«, eine kollektive Sound-Ausstellung von Sonic Territories, die Ende August im Wasserturm Favoriten stattfand. Was haben Interessierte damals verpasst und inwieweit lässt sich eine Klangexhibition in ein doch ein klein wenig Party-Setting transferieren?

»Liquid Resonance« war eine kollektiv entwickelte Klangausstellung unseres Teams im Wasserturm Favoriten. Auch der Closing-Tag entsteht aus dieser gemeinsamen künstlerischen Arbeit heraus. Die künstlerische Gestaltung übernehmen Tim Löhde, Yvo Kaufmann, Selin Karaman, Janine Jop und Markus Steiner, die bereits an der Ausstellung beteiligt waren. Anders als bei der Ausstellung im Wasserturm steht beim Closing das gemeinsame Erleben im Vordergrund. Es wird Listening Sessions, Live-Performances und DJ-Sets geben, aber auch viel Raum, um zusammenzukommen, sich auszutauschen und das Festival gemeinsam ausklingen zu lassen. Mir gefällt die Vorstellung, dass man an diesem Tag einfach vorbeikommen, bleiben, zuhören und etwas essen kann – ohne dass alles einem festen Konzertformat folgen muss. (Auch Chris und Momo, die bereits unser Experimental Dinner zum Festivalauftakt gestalten, sind wieder dabei und werden uns mit kleinen Amuse-Bouches versorgen.) Nach einem Jahr, in dem sich für Sonic Territories vieles verändert hat, ist dieses gemeinsame Zusammenkommen für mich ein besonders schöner Abschluss. Wir haben ein neues Zuhause gefunden, neue Beziehungen aufgebaut und große Pläne für 2027. Und das wollen wir gemeinsam feiern – unter anderem mit DJ Rosi und hiff! 

Link: www.sonic-territories.at

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