Henneman/Branch/La Berge

»Dropping Stuff And Other Folk Songs«

Relative Pitch Records

Das New Yorker Label Relative Pitch Records ist eine verlässliche Konstante in der stets in Veränderung befindlichen Avantgarde-Jazzszene der US-Metropole. Seit vielen Jahren erscheinen dort Alben der spannendsten, spontansten Musiker*innen-Gruppierungen, aber auch von fixen Bands. Das hier besprochene »Dropping Stuff And Other Folk Songs« ist aber vom ersteren Schlag, eine Anfrage des damaligen Labelchefs Mike Panico führte dazu, dass die niederländische Bratschistin und Komponistin IG Henneman zwei US-Kolleginnen zur spontanen Improvisation versammelte. Die Trompeterin Jaimie Branch und die Flötistin Anne La Berge kamen nach Amsterdam, um im dortigen Splendor am 2. Dezember 2018 gemeinsam aufzunehmen. Zwischen der ursprünglichen Anfrage dafür und der Aufnahme der Platte verstarb Mike Panico überraschend und so ist dieses Album eine sehr angemessene Würdigung des Lebens und Schaffens des Labelgründers geworden. Es ist ein Aufeinandertreffen zweier Generationen. IG Henneman und Anne La Berge sind Jahrgang 1945 und 1955, Jaimie Branch wurde 1983 geboren. Ein unfassbar spannendes Zusammentreffen unter einem herrlich irreführenden Titel. Die drei Musikerinnen spielen vor allem mit den Geräuschfacetten ihrer Instrumente. Gelegentlich werden zwar verstimmte Linien aneinander gerieben, sodass schaurige Melodien entstehen, aber meistens wird gekratzt, geatmet, gescharrt, geklopft und vieles mehr. Die Cuts Nummer drei und vier, »Steven’s Dog« und »When Bells Stop Ringing« bieten einen guten Einstieg in das Geschehen. Die klangliche Blende von Bratsche, verschiedenen Flöten und Trompete ist eine stete Quelle der Überraschungen, die drei Musikerinnen haben jeweils beeindruckende wie immer wieder überraschende Klangrepertoires auf ihren Instrumenten. Es ist Musik voller Wendungen und ohne jede Form, Wiederholung oder gar roten Faden.