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Liebe auf den ersten Take: Der Einstiegstrack »In terms of ease and speed« ist köstlicher Kaugummi-Funk, irgendwo in den glorreichen Zeiten eines George Clinton oder Rick James (indeed!) angesiedelt. Vielleicht auch mit einem Hauch Zappa (diese Baritonsaxophon-Riffs!). Allerdings geht es dann ganz anders weiter, zum Glück auf andere Weise gut, aber eben nicht mehr so funky. Aber das ist Programm. »Buttercyde« kommt als zerstörter Elektropop daher, Godley and Creme könnten hier irgendwo herumlungern, »The Rug« klingt irgendwie nach Martha And The Muffins auf ihrem Album »Danseparc«, spätestens beim melodramatisch verkitschten »Bliss« wird klar: hier zieht jemand im Persiflagerausch durch den plastifizierten Popgarten. Und das auf kecke und grandiose Weise. Ständig werden die Spuren zwischen Ironie, Hingabe und Provokation verwischt. Wer ist dieser Mr. Vast, der ganz nebenbei Beck und Busta Rhymes durch den Kakao zieht oder »hanging out the laundry always keeps me calm« singt … die »Basement Tapes« lassen lyrischerseits grüßen! Es handelt sich um den Briten Henry Sargeant, der bislang nur gemeinsam mit dem absurden Elektrokollektiv Wevie Stonder (die »Monty Pythons der elektronischen Musik«) in Erscheinung getreten ist. Mit kompetenter Produzentenunterstützung (etwa Hector de Guerre oder Niko Kratzer) ist hier ein Leckerbissen für ironiegeplagte Pop-Aficionados gelungen, eine kabarettistische Revue im besten Sinne, denn bei allem Witz steht das musikalische Funktionieren stets außer Frage. Fast jeder Track ist eine liebevolle Miniatur geworden, ein augenzwinkender Schalmeientanz, der gegen Ende hin auch noch in Richtung Dancefloor absegelt. Ist das nicht doch bloß Weird Al Yankovic für Besserwisser? Nope. It is not.

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Text
Curt Cuisine

Veröffentlichung
04.04.2013

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