Tegan and Sara

»Get Along«

Warner

Folkpop! Das ist ja für manche Leute an sich schon eine Beschimpfung, ein geschmäcklerisches Ghetto, das sich als Mainstream versteht, und in welchem überwiegend »wei&szlige« Jugendliche aus privilegierten Regionen fein temperierte Befindlichkeitsmusik produzieren. Das darf man natürlich so nicht stehen lassen. Es gilt der Geschmacksparagraph, der ins Reich der Subjektivität verweist, was sich sonst kaum argumentieren lie&szlige. Was zeichnet etwa die kanadischen Zwillingsschwestern Tegan Rain Quin und Sara Kiersten Quin gegenüber beliebigen anderen Vertretern aus dem Reich des konzertanten Folkpop aus? Ist es die frühe Berufung (mit 19 Jahren schon Vorband von Neil Young)? Sind es die paar gelungenen Songs, ist es Sympathie oder die mutma&szligliche Innigkeit – also eben doch: Befindlichkeit? (Vergessen wir nicht die für »Grey’s Anatomy« produzierten Songs!) Fragen dieser Art stellen sich gerade angesichts der jüngsten CD der beiden Schwestern, ein Live-Album, das im Grunde mehr ein Redux-Album ist. Das Auditorium lauscht geräuschlos wie bei einem klassischen Konzert, klatscht artig am Schluss. Man hört auf »Get Along« schon bekannte Songs in praktisch unveränderter Version, in den meisten Fällen auf Gitarre und Piano fokussiert. Dazu die Stimmen angesättigt mit dem Flair einer menschengefüllten Halle. Und weil das noch nicht redundant genug ist, gibt es dazu auch ein komplettes Konzert auf DVD, angereichert mit zwei halbstündigen Dokumentationen. Vor allem im Fall von Danny O’Malleys Film »States« verwundert, was für einen Narren der offenkundig begabte Filmemacher an zwei Damen gefunden hat, die live mit der innigen Bewegtheit zweier Marmorstatuen agieren. (Aber was O’Malley rund um diese Live-Statik inszeniert ist sehenswert.) Sicher ist jedenfalls: Wir haben es mit purem Nerd-Stuff zu tun. Und so lie&szlige sich zur anfänglichen Beschimpfung (Folkpop!) noch eine zweite hinzufügen: Kleinod!