Moodyman

Forevernevermore

Peacefrog

Kenny Dixon Jr., aka Moodyman hat eine Mission. Und die geht weit über Deep House hinaus. Denn wo House im allgemeinen die Arme weit aufreißt und alle(s) umarmen will, zieht Moodyman zwar nicht die Knarre, behält sich aber mit einer aus dem HipHop entlehnten Militanz eine Art Türsteherkontrolle vor. Was bei oberflächlicher Betrachtung schnell zu einer »Blacks Only«-Ideologie zurechtgestutzt werden könnte, erweist sich jedoch bei genauerem Hinsehen als eben nicht so einfach. Zwar spukt Moodyman Feuer und Schwefel wenn er mal in Fahrt gekommen ist und bezichtigt »weiße« House-Acts (speziell Daft Punk dürften für ihn ein knallrotes Tuch sein) der Respektlosigkeit und des geistigen wie musikalischen Diebstahls. Meint im selben Atemzug dann aber auch, dass diese Acts ihre sieben Zwetschken doch mittels »weißer« Rock-Samples zusammenklauben sollen (haben besagte Daft Punk jetzt mal wieder komplett falsch interpretiert, aber was soll?s). Darüber kann, besonders als weiße/r HörerIn, natürlich stundenlang debattiert werden. Aber Moodymans Position bringt eben auch in Erinnerung, dass hier noch nicht alles gegessen ist und afro-futuristische/trans- bzw. multiethnische Konzepte auch immer wieder von sozio-politischen Realitäten und/oder durch (Polizei-)Kugeln radikal über Bord geworfen werden. So widersprüchlich und widerspenstig aber auch Moodymans Deep House-Entwürfe sind (die übrigens auf »Forevernevermore« nicht nur einmal an Albert Ayler denken lassen), seine vertrackten, mäandernden und immer wieder in Löcher fallenden bzw. an Bruchstellen verweilenden und/oder die Richtung ändernden Tracks aus Soul, Funk, Disco und vor allem Jazz sind radikale Kurzschließungen mit ekstatischen Gospel-Zuständen. »Speaking in Tongues« also als militante Spiritualität. »It?s A Black Thing You Won?t Understand« ist bei Moodyman keine Phrase. Seine abstrakten Mini-Soundschnipsel-Collagen (nicht selten mitten in die besten House-Lines gesetzt) und die immer wieder in Feuerzungen sprechenden Gospel-Prediger sind eben keine ornamentativen Verzierungen, sondern sozusagen Geheimcodes einer regelrecht als Liturgie zu begreifenden privatmythologischen, aber dennoch politisch geerdeten House-Messe.