Stella

Finger On The Trigger For The Years To Come

L'Age D''Or

Krieg und Liebe. Hamburg, die dritte Generation. Das dem verkniffenen Deutschen eröffnete Klanguniversum darf jetzt in allen Facetten geplündert und als feinst zugeschliffene Popperlen ausgespielt werden. Muttersprache ist nicht mehr notwendig. Einheit wozu? Außer es ist die Einheit des Wohlklangs, die Einheit des Grooves, die Einheit des Coolen. Stella spricht in zwangloser Songfixiertheit, in Popkulturpatchwork. Vielen Hamburgern freilich fehlt die Einheit nun. Das Debut »Extralife« der Szenehelden (Mitstreiter von Egoexpress, Das neue Brot, Die Regierung) wurde unschlüssig zwischen den Ecken hin-. und hergeschubst. Plötzlich wieder Englisch und so richtig peinlich Popsong – nämlich ernsthaft ausgespielt und nicht durch Versagerglamour unterlaufen. Da steht eine Frau, hübsch noch dazu, vorne, röhrt wie die Cocktailvariante von Jingo de Lunch und spielt Riffs von den Deep Purple bis Kinks, während wie aus anderen Proberäumen die Synths Human League bis Tangerine Dream, die Drums Blondie bis P-Funk beschwören. Und gerade dieses Abwenden vom Nerd-konformismus der Hamburgschule, der einen so oft mit seiner Prätention, seiner aufgesetzten Lustigkeit, seinem kopfigen Hüftschwung, genervt hat, macht Stella so wunderbar. Live gibt es da zwar nicht mehr als dumpfe Rockismen, als Tonträger ist »Finger on the Trigger« formvollendete Götterspeise, der ihnen einen Buggles-Status für den kühlen Norden wünschen läßt. Nur das Englisch quängelt zeitens der Piefke-Misere als wär Can gerade 30 Minuten vergangen. Da wünscht man zumindest hier ungebrochene Tradition.