KK Null

»Fertile«

Touch/Cargo

Das weiße Rauschen ist der Tinnitus auf der Höhe der gesellschaftlich-technologischen Entwicklung und KK Null einer der prononciertesten Prediger eines Zurück-zur-Natur. Nach der menschheitsgeschichtlichen Entwicklung von der Buschtrommel über die Stradivarius und die Stratocaster (KK ist ja als Gitarrist bekannt geworden) und der Befreiung selbst von der Dissonanz legt er hier wieder Zeugnis ab von seinem »cosmic noise maximal/minimalism«. Der Banalität, dass ein Track stets am Anfang beginnen muss, entgeht KK Null zwar, indem er seine neue Scheibe gleich mit einem krachenden Elektronik-Gewitter eröffnet. Doch nach dem ersten Paukenschlag lässt es sich ganz gut wieder zurücklehnen. Recht nachvollziehbar werden hier die noise riffs geschichtet, meist nach dem additiven Prinzip. Kaskade! Gelegentlich vermeint man sogar Rhythmus zu hören. Aber das Witzigste ist, dass manche der Elektroschnipsel Bilder aus dem mechanischen Zeitalter heraufbeschwören. Auch die an sich unakkordierten Geräusche der im Sinne reibungsloser Arbeitsabläufe nebeneinander platzierten Bewegungsmaschinen, Transmissionsmechanismen und Werkzeugmaschinen der Fabrik erzeugten durch ihre eindringlichen Wiederholungen ein Gefühl von Sinn; einen Sinn, der mal utopisch, mal dystopisch bewertet wurde. KK Nulls »Fertile«-Universum ist da eher die friedliche Variante, trotz so mancher Supernova und vielleicht gerade wegen der Beteiligung des »Symphonieorchesters aus Insekten, Fröschen und Vögeln«, Fieldrecordings von KKs letzter Australienreise. Natur ? Natur = Natur. Oder wolltet Ihr etwa Noise hören?