Fon

Fakt

Werkzeug

Nach der vor ein paar Monaten veröffentlichten Debut-CD »Proof« schiebt das heimische Experimental-Electronic-Duo Fon (M. Söllner & J. Groiss) mit »Fakt« gleich ein neues Werk nach, dass sich vom abstrakt-amorphen Vorgänger nicht radikaler unterscheiden könnte. Dass Fon »den Groove haben«, wie es in der heimischen Bluesrock-Szene immer dann heisst, wenn die rausgelassene Bierbauchsau so richtig »rockt«, dürfte ja kein wirkliches Geheimnis mehr sein. Auf »Fakt« gibt es zwar auch all die bekannten fonologischen Electro-Smog-Rauschzustände (harsch, abgehackt, zerknüllt, angeschimmelt, übergärig und nie so recht zwischen gasförmigen und plasmaförmigen Erscheinungsformen zu unterscheiden), nur werden diese auf »Fakt« sozusagen polyrhythmisiert. Soll heissen, diesmal dürfte die Forschungsanordnung im Labor der letztjährigen CD wohl auf einer Tanzdiele aufgebaut worden sein. No na net, ist die löchrig und in rourierender Schräglage. Fons elektronische Sägewerk-Disco-Entwürfe sind dabei jedoch vom 4/4tel-Schleifen-Minimalismus der Kölner Schule (Voigt, Brinkmann & Co.) ebensoweit entfernt wie von der sich aus unterschiedlichen Rausch- und Blubber-Frequenzen sozusagen »organisch« herauschälenden Pan Sonic-Motorik. Als Frequenzforscher und -fanatiker geht es Fon natürlich auch um die immer wieder beliebte Vollkörpermassage. Womit sie, etwa im Gegensatz zur doch eher kopfert orientierten »clicks_+_cuts«-Schule, derzeit nur punkten können. Das meint jetzt nicht den blöden Männerstammtischvergleich vom »Hirn mit Ei«, sondern Fons, hier kongenial umgesetzte Forderung nach »Klarheit und Verwirrung durch Elastizität«. Ganz zu schweigen von all diesen kleinen Dub-Insekten, die auf »Fakt« mal durch den Raum irrlichtern bzw. die Bassfrequenzen termitenartig anknappern.