Andy Stott

»Faith In Strangers«

Modern Love

Der Mancunian Andy Stott startete Mitte der Nullerjahre mit Deep/Minimal/Dub-Techno, aber mit jedem neuen Album scheint ihm der selbstgestrickte Pullover zu eng zu werden, und er strickt sich einen noch Geräumigeren. Auf »Passed Me By« aus 2011 entwarf er einen dunklen, Ethno-beein- flussten Sound, auf dem darauffolgenden Album »Luxury Problems« verwob er die Stimme seiner Klavierlehrerin Alison Skidmore in einige seiner Tracks. Skidmores vokale Transparenz ließ wieder ein paar Lichtstrahlen in seine sonst recht düsteren Tracks hinein. »Faith In Strangers« ist die Fort- führung des eingeschlagenen Weges, aber neben dem Titelstück, einem der wenigen Stücke mit Popcharakter, in dem neben Skidmores Gesang auch eine Bassgitarre zur Verwendung kommt, gibt es immer wieder harsche, abstrakte, verzerrte Industrial-Techno-Tracks, deren Reiz sich nur langsam erschließt. Ein Album, das von starken Kontrasten bestimmt wird. Das Cover Artwork ist – wie schon auf »Passed Me By« – ein Ethno-Verweis, aber ich habe beim Hören eher die von Robert Mitchum gespielte Figur des Wanderpredigers in »Night Of The Hunter« vor Augen: Auf die eine Hand ist »LOVE« und auf die andere »HATE« tätowiert … das Vertrauen in Fremde hat sich wohl noch nicht so ganz eingestellt.