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Experimentierfelder, mit Drones aufgeladen

LUCIO CAPECE & MIKA VAINIO lassen hineingleiten in eine Atmosphäre des Steten. Dabei ist »Thranie« (Editions Mego) nur der Versuchsballon. Elf Stücke lang wird ausgelotet, was das Beharren auf die Repetition im Kleinen ausmacht. Oft sind Ursprungslaute von Sopransax oder Bassklarinette oder E-Gitarre und Zimbal nicht sofort auszumachen, weil mit Feedback-Mixer, Scruti Box und elektronischen Verzerrtaktiken am Klangbild gefeilt wird. Besonders fein im »Manana« mit Orgelloop. Was gleich zu »Casa« (Organised Music From Thessaloniki) führt. Capece kehrte in seine argentinische Heimat zurück, ins neue und alte Haus von Sergio Merce. LUCIO CAPECE/SERGIO MERCE entfalten darauf Drones, die eine Wirkung wie frühe Terry-Riley-Platten haben. Merce generiert Sounds aus dem Equalizer seines 4-Track-Portastudio, während Capece auf dem halbstündigen »Virar, Virar« wiederum mit Scruti Box und Filtern den steten Drone moduliert. Einmalig schön! Daran vermögen STEPHAN MATHIEU/TAYLOR DEUPREE nahtlos anzuschlie&szligen. Auf Wachszylindern, Vorläufern des Plattenspielers, werden Klänge durch zwei tragbare Grammophone geschickt und dann mit Mikrophonen direkt in den Laptop eingespeist. Diesem Flow beeinträchtigter, dekomponierter Eleganz fügt Taylor Deupree akustische Instrumentalsounds und Syntesizerpatina hinzu. »Transcriptions« (Spekk/A-Musik) ist ein Maelstrom an Melodien, Sounds und Fuzz, die miteinander kollidieren und zu einem warmherzigen Megadrone anwachsen. Ähnlich erhaben tönt PIMMONs »Smudge Another Yesterday« (Preservation/Forte). Eine Soundschleife des mäandrischen Orgel-Rieselns, überschichtet mit pulsierenden Noise-Fragmenten, einem zähen Lavafluss ähnelnd. Noch zwingender gerät »Motorsleep« (alien8recordings) des Kanadiers AUN. Dahinter verbirgt sich das Ambient-Doom-goes-Shoegaze-Mastering von James Plotkin für Martin Dumais aka Aun. Die Spuren zu Eno oder den Swans sind verwischt, schimmern aber durch, und als »Motorsleep« allmächlich an Dichte gewinnt, erstrahlt es in kraftvoller Drone-Grandezza mit stets bedrohlich wirkenden Untertönen. ?berirdische Pracht hingegen auf zwei CDs das japanischens Labels Ftarri: TAKAHIRO KAWAGUCHI/SHINJIRO YAMGUCHI sagen mit Drones, die sich auf einer tuning fork entfalten, »Hello«, konterkariert von einem repetitiv angeschlagenen Gitarrenriff, das sich allmählich ändert. Zum Innehalten anregende Kurzweil auch auf »Me No Tawamure«, wo NOAKI MIYAMOTOs Gitarrensound in sinuswellenförmige Drones transformiert wird! Rückkehr in die Ausgangslage auf einer Compilation des Marseiller Labels, »bip_hop generation vol. 9«: Abgrundtief schön erklingt »Dark Grey Moonlight In The Lowland« (Remix) des Kammerflimmer Kollektivs. Hier wird die Atmosphäre des Steten durch abermalige Variation eines Themas geschaffen und »Kassiber«, der dem Opener folgende Song, bricht aus aus dem »engen« Schema aus. Die Spaceheads operieren ähnlich in Avantrockgefilden, während Andrey Kiritschenko, das Illàcime Quartet, oder Hauschka jeweils auf ihre Art den Faden des die Wiederholung in den Vordergrund stellenden Loopings ästhetisch würdevoll wieder aufnehmen. Meist kreist auf »vol. 9« die Repetition also im Song selbst, was ANTENNE auf »#3« (Helmet Room Recordings) formvollendet gelingt. Trotz freundlicher Melodien und TripHop-Affinität ziehen im Hintergrund dunkle, samtene Schlieren, während Kim G. Hansens Kopfstimme ätherisch über den Songs, in denen repetitive Elemente flirren, schwebt.

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Text
Alfred Pranzl

Veröffentlichung
23.09.2009

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