Eva Klesse Quartett

»Creatures & States«

Enja

Ein Hoch auf das Konzept der Working Bands! Seit 2013 gibt es das Eva Klesse Quartett nun schon und mit »Creatures & States« hat uns diese wunderbare Formation ihr viertes Album beschert. Eva Klesse ist Schlagzeugerin, 1986 in Werl (Nordrhein-Westfalen) geboren und nach Studien in Leipzig und New York u. a. mit Julia Hülsmann und eben diesem Quartett unterwegs. Mit von der Partie sind Evgeny Ring (Saxofon), Philip Frischkorn (Klavier) und Stefan Schönegg (Bass). Eine unglaublich gut eingespielte Crew, der man die unzähligen gemeinsamen Konzerte in jeder Note anhört. Ihr Arbeitsrhythmus ist konstant, etwa alle zwei Jahre erreicht uns eine neue Platte; »Miniatures« aus 2018 war schon wunderbar, »Creatures & States« ist es ebenso. Formell gibt es zwar eine Bandleaderin, musikalisch ist das aber nicht festzumachen. Die vier Stimmen auf dieser Platte kommunizieren traumwandlerisch ebenbürtig, Eva Klesse nimmt ihre Parts viel eher zurück als sich aufzudrängen, »Herbstmonat« kommt zum Beispiel fast gänzlich ohne Drums aus! Auch die Kompositionen kommen von allen vier Bandmitgliedern und so entsteht ein weiteres Album aus einem Guss, wie ein großer Strom, der sich aus vier Flüssen speist. Evgeny Ring weiß sein Tenorsaxofon vor allem als leises, süßliches Säuseln erklingen zu lassen, was perfekt zum dynamisch-differnzierten Anschlag von Philip Frischkorn am Klavier passt. Eva Klesse ist den Beserln sehr zugetan und streichelt damit über Becken und Trommeln, ganz im Auftrag einer schönen Klangmalerei. Die Geschichten, die uns das Quartett hier erzählt, handeln von diversen Kreaturen und all den Zuständen, in denen sie sich befinden können. Und das beim Hören ablaufende Kopfkino ist so berührend wie spannend. Sie müssen nicht besonders laut und schnell spielen, um uns Urgenz und Verwirrung zu vermitteln, die tonalen Zärtlichkeiten dringen in Mark und Bein. Ein Anspieltipp für einen Kurztrip, um zu verstehen, worum es geht: Cut Nr. 7, »Einsiedlerkrebs«. Das Album wurde in einem einzigen Raum eingespielt, die vier Musiker*innen Ohr an Ohr, das macht sich bemerkbar. Die Interaktion ist von rasanter Responsivität und Geduld zur Entwicklung von Ideen entlang der kompositorischen Bausteine geprägt. Ein weiterer Meilenstein auf Eva Klesses Route des geschmackvollen Quartett-Jazz!