Conrad Schnitzler

»Endtime«

M=Minimal

Der Titel »Endtime« ist in zweifacher Hinsicht sinnfällig. Zunächst aus tragischer Sicht, es handelt sich um die letzte Komposition von Conrad Schnitzler, einem Urgestein der elektronischen Musik. Der ehemalige Schüler von Joseph Beuys und Musiker von Tangerine Dream galt als »stille Randfigur« der Szene. Weil er weniger durch exaltiertes Auftreten oder legendäre Werke glänzte, als durch eine Vielzahl kreativer Kooperationen und einer voluminösen Freude an der Tüftelei (angeblich befinden sich in Schnitzlers Nachlass tausend unveröffentlichte Tapes mit komponierter Musik, das sogenannte »Tausender-Projekt«). »Endtime« steht aber auch für die Stimmungslage dieses 70-minütigen Elektrotrips, wobei es weniger um ein düsteres Requiem geht, als vielmehr um einen futuristischen Trip. In, sagen wir, 1.000 Jahren steigen wir in ein Raumschiff (die »Space Beagle« selbstverständlich) und düsen damit zu knallbunten Planeten, wo uns elektrolytische Aliens empfangen, deren silberhäutige Musen für uns im fluoreszierenden Scheinwerferlicht tanzen. Dann wieder unterwegs, äonenlang durchs All, die Sonnennebel hängen uns wie Stalaktiten ins Gemüt. Aber schon sind wir wieder in einer futuristischen Metropole, wo die Wolkenkratzer bedrohlich in einen smaragdgrünen Himmel ragen und am Ende stehen wir in der Soletex-Bar neben Stanislaw Lem und schlürfen genüsslich einen Pilzcocktail. Klingt das nach antiquierter, leicht angestaubter Futuristik? Witzigerweise versprüht diese Elektrosymphonie tatsächlich einen Hauch von 1970ies – und genau das macht »Endtime« wahnsinnig charmant und zugleich zu einem sehr stimmigen Epitaph.