Editions Mego vs. Nonine

Sprachlosigkeit. Zunächst. Schon wieder Laptop-Sounds beschreiben. Also mal von hinten anfangen.

»Hornet« von ANGEL klingt mit kreischenden Krähen und daran anschlie&szligendem Lärm eines durch die Lüfte Suomis donnerden Jagdflugzeuges aus. Ansonsten aber werden etwas schwerere Geschütze aufgefahren, doch wie es sich gemä&szlig Albumtitel »Hedonism« gehört, kreieren Dirk Dresselhaus & Ilpo Väisänen aka Angel sonische Soundlandschaften, die auf Gourmet-Niveau Erlebnisqualität garantieren. Vieles geschieht zunächst durch File-Austausch, so auch zwischen Experimental-Percussion-Zampano Z’Ev und Notebook-Brachialist Peter Rehberg im Jahr 2005. Das angehäufte Material durchlief noch einige Live-Auftritte in Wien und Gro&szligbritannien. »Colchester« ist sozusagen die gereifte Essenz daraus. Z’EV vs. PITA beeindrucken mit bedacht und doch sehr bestimmt gesetzten Percussionmustern und darauf antwortenden Soundmanipulationen, die sich weniger als Kollision anhören, sondern vielmehr als sich zu einer dichten Komposition verzahnendem Werk. Ein hochfrequentes, verstörendes Sinusgeräusch, dazu loses Getrommel, dislozierte Rufe: so beginnt »Arrowhead« von PRURIENT alias Dominik Fernow. Darauf folgt ohrenbetäubendes Power-Electronic-Feedback, das doch lieber zu PETER REHBERGs »Work For GV 2004-2008« greifen lässt. Megochef Rehberg hat seine Zusammenarbeit mit der Marionettenspielerin und Choreographin Gisèle Vienne für den »Hausgebrauch« adaptiert. Der Auftakt erfolgt zwar mit einem harschen Tribute an einen Robbe-Grillet-Film, doch wird heftiger Noise schon im zweiten Track »ML« von Grandezza durchwirkt, und allmählich bürgen Synth-Elegien für einen noch grandioseren Flow, den auch KEVIN DRUMM (g) & DANIEL MENCHE (organ), zwei Altmeister des audiophilen Noise, locker hinkriegen. Dementsprechend zieht auf »Gauntlet« ein steter, düster funkelnder Maelstrom aus Gitarren-Orgel-Drones in den Bann. Im inflationär wuchernden Electronica-Genre profiliert sich das Berliner Label Nonine Recordings als relevant. PATRON & PATRONs »Gen« bezieht Mehrwert aus dem Zusammenspiel von analogem Bass- und Kontrabass (Frederik von de Moortel) mit Electronics (Me Raabenstein). Eine stimmige Platte für die Chillout-Phase, die dann doch zu belanglos dahinplätschert. Spannender gerät TAUBs »Bedtime Stories«. Verschlafen tagträumende, langsam mäandere Beats und drüber hallen wundervolle Klavierakkorde., dann wieder entfalten sich scheinbar Zwiegespräche zwischen Instrumenten und Maschinen. Me Rabenstein spielt in Taub mit David Hillary und ist auch SLOWCREAM. Er baut aus dem Wissen um das Werk von Klassikanern wie Bach oder Stravinsky so etwas wie metaklassische Musik. Da darf dann ein auf eine Pianoriff-Repetition vertrauendes Stück »Dylan For A Day« hei&szligen. Klavier- und seltener Streicherbruckstücke werden sanft von elektronischen Beigaben umwirkt und schaffen so eine konzentriert-experimentelle Atmosphäre. Es reibt sich und geht doch zusammen. »Live Long And Prosper« birgt Musik, die auch in 20 Jahren noch spannend klingen wird. Mit nicht weniger Raffinement setzt Arno Steinacher aka NEUBAU seine Sounds in Szene. Gebrochene Strukturen und eine gediegene Ineinanderschachtelung von Stimmen und found sounds (wie etwa Schritte auf Schneefeldern) verdichten sich auf »Rymdmyr« zu einer atmosphärischen CD, die auch akusmatische Verstörung nicht au&szligen vor lässt.

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