Dorian Concept

»The Nature of Imitation«

Brainfeeder

Dorian Concept ist nach etwa vierjähriger Release-Pause zurück und lässt es mit seinem neuen Album abermals ordentlich krachen. Druckvoller als sein Vorgängeralbum »Joined Ends« erinnert es an seine cluborientierten Roots. Auf »The Nature of Imitation schimmert es hell, quietscht, wobbelt, shuffelt und glitzert, dass es eine Freude ist. Der Opener »Promises« empfängt die Hörer*innen euphorisch, löst dann sogleich das Versprechen des Albumtitels ein und zeigt die zugrundeliegende Arbeitsweise von Oliver Thomas Johnson bei diesem Album. Mehr Details zur Herangehensweise Dorian Concepts mit dem Spiel von Imitation finden sich in diesem Artikel. »Promises« zeigt anschaulich, mit welchem freigeistigen und virtuosen Arrangeur wir es hier in Folge zu tun haben werden. Das Thema des zweiten Tracks »Angel Shark« startet mit Steve-Reich’schem Pianospiel, um sogleich in einem von kräftigen Synthchords und Drums verpackten Gewand weitergeführt zu werden. Sekunden später kommt die leichtere Struktur vom Anfang in Form eines Gitarrenspiels zurück. Durch das Spiel mit Detune bekommt der Track eine organisch leiernde Stimmung, die man von alten Kassettenbändern kennt.

Mit »J Buyers« wird ordentlich Brandbeschleuniger ins bereits lodernde Feuer gegossen und Dorian Concept spielt seine druckvolle Clubkarte aus. Stand man eben noch inmitten der tobenden Menge im Club, sitzt man nur Sekunden später, dem selben Track folgend, gemütlich am sommerlichen Froschteich, um einem aus der Ferne leiernden Pianospiel zu lauschen. Das daran anschließende Interlude »A Mother’s Lament« zeigt Dorian Concept, einem Altmeister gleich, melancholisch am Piano sitzend in eine schöne improvisierte Miniatur vertieft. Lediglich von einem dezenten Glockenspiel wird die reduzierte Stimmung ergänzt. Mit dem Altmeistergehabe ist dann sogleich wieder Schluss. »No Time Not Mine« ebnet den Weg zurück in den Club. Mit sehr eingängiger Melodie zeigt Dorian Concept wieder einmal seine Stärke, gegenläufige und widerborstige Strukturen in einem stimmigen und fordernden Gesamtkonstrukt zu verbinden. »Pedestrians« zeichnet sich durch relativ viele Gesangseinlagen aus. Sämtliche Stimmen auf dem Album stammen in mehr oder weniger bearbeiteter Weise von Oliver Johnson selbst. Dabei dienen die Vocals in Dorian Concepts Musik vielmehr als Instrument, das die Imagination der Hörer*innen anregen soll, als dem klassischerweise in Worte verpackten Transport von Missverständnissen.

Ein weiteres Highlight ist der Track »Self Similarity«, der ein besonders schönes Grundthema über mehrere unterschiedliche Variationsabschnitte führt. Und vermutlich hat noch nie jemand das Thema »Dishwater« so nautisch interpretiert, wie es Dorian Concept mit ebendiesem Track macht. Man hat zu Beginn des Tracks das Gefühl, Jacques Cousteau beim Abtauchen in eines seiner Meeresabenteuer zu begleiten. Ob Cousteau sich auch als Rapper gut gemacht hätte, wird hier nicht aufgelöst, denn der HipHop-Teil im Anschluss bleibt ohne Worte. Mit dem Track »E13« kommt der wohl sperrigste und freigeistigste Track des Albums. Oliver Johnsons Synthspiel ähnelt hier streckenweise dem Dabke-Stil eines Omar Souleyman, ohne dabei einen nahöstlichen Gesamtstil aufzugreifen. Euphorisch und sphärisch wird es noch einmal mit dem Track »The Space«, um in Folge mit dem Wiegenlied »You Give and Give« das Album friedlich und ruhig abzuschließen. Dorian Concept ließ es sich auch nicht nehmen, selbst beim Mastering zusammen mit Paul Movahedi (The Clonious) Hand anzulegen. Das passende Artwork zu »The Nature of Imitation« liefert der Berliner und Wahlwiener Manuel Radde. Dorian Concept legt hier ein starkes Stück Musik vor, das auch nach oftmaligem Hören ob seiner Vielschichtigkeit noch zu begeistern vermag. Mitunter ist »The Nature of Imitation« ein gutes Beispiel dafür, dass auch unterhaltende und mit positiven Vibes aufgeladene Musik durchaus einen intellektuellen Anspruch haben kann.