doppelfinger

»by design«

Ink Music

Clemens Bäres, alias doppelfinger, veröffentlicht sein Debütalbum »by design«. Die Musik, die darauf zu hören ist, hatte nie das Ziel, einem Publikum vorgestellt zu werden, sie sollte vielmehr als introspektives Reflexionsmedium dienen und diese Intimität spürt man in jeder einzelnen Sekunde Spielzeit. Die Instrumentation ist sehr dünn, warm, analog und trocken, ein paar Modular Synthesizers, ganz selten gebrushte Drums, Mundharmonika, das Cello vom genialen Lukas Lauermann, der etwas Körper auf diese Platte bringt, hin und wieder E-Gitarre, aber die absolut wichtigsten Elemente sind die Fingerpicking-intensive Akustikgitarre und die Stimme von doppelfinger, die sehr an Alexi Murdoch oder Iron & Wine erinnern. Wie es bei Folkmusik wahrscheinlich unumgänglich ist, kommen auch durchaus positive Bob-Dylan-Assoziationen hoch, besonders beim Stück »a place to go«. Ebenfalls sehr gelungen ist der Song »quite alright«, ein wunderschön melancholischer Lovesong, der die Hörenden daran erinnert, dass, so seltsam das Leben und die Liebe auch sind, mit der richtigen Person an der Seite alles quite alright ist. Auch die kleinen instrumentalen Interlude-Tracks alias »exposure«, »ouverture« und »by design (skit)« sind gelungene Bestandteile des Albums, welche die generelle Stimmung weiter facettieren. Der beste Track der LP ist aber der Closer »how to hide«. Der Song beschäftigt sich mit dem Umgang mit Unsicherheiten, die Line »I feel bad about every line I write« bringt es besonders auf den Punkt. Mit diesen Gefühlen wähnt man sich oft allein, aber bei diesem Song und dem ganzen Album fühlt man sich mit Gedanken des Selbstzweifels, Herzschmerz oder Mental Health Problems nicht im Stich gelassen. Das Rookie-Album von doppelfinger ist ein erstklassiges, modernes Folk-Album, das einen gewissen Coming-of-Age-Vibe mit sich bringt und alles in allem einfach sehr berührend, ehrlich und vertraut wirkt. Es wäre nicht verwunderlich, wenn doppelfinger nicht nur in Österreich Anklang findet, die Qualität seiner Musik hätte es wirklich verdient.