Franz Koglmann

Don't Play, Just Be

Between The Lines

Der Musiker und Komponist Koglmann steht für ein eigenes Genre. Wahrscheinlich steht er auch für ein Image, aber zerbrechen wir uns darüber vorläufig nicht den Kopf. Die Aufnahme mit drei Stücken oder Suiten, ausgeführt von einem Jazz-Quartett, dem Klangforum Wien und einer Sopranstimme, beginnt mit »Don’t Play, Just Be«. Die Komposition ist gewiss von hoher Qualität, ich empfinde sie allerdings als sehr abstrakt, womit ich jedoch nicht diese makellose Musik in Frage stelle – ich frage mich eher, wo man so elegant-gewandt komponierten Jazz noch spielen kann. Von Koglmann kommt der wunderschöne Ton, Tony Coe ist majestätisch wie immer, James Emery setzt Akzente, Peter Herbert hat ein Gespür sowohl für die Rolle des Basses als auch für Solos. Ist das nun postmodern, Third Stream oder ganz einfach Wienerisch? Wahrscheinlich alles zusammen. »Rivette«, ein Satz der ersten Suite, verweist auf den französischen Cineasten der Nouvelle Vague, und obwohl es sich hier eher um einen Titel handeln dürfte, könnte durchaus eine Verbindung zwischen den beiden Künstlern hergestellt werden, denn von Rivettes Interesse für Theater und klassischer Musik zu Koglmanns Einsatz der Dramaturgie ist es nur ein kleiner Schritt. Leicht und elegant, ruhig und kultiviert, nicht der Zeit und nicht der Mode entsprechend. Wenn es hier offensichtlich nichts zu kritisieren gibt, könnte man aber auch etwas anderes erwarten. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob eine derartige Distanz zu unserer Welt und unserem Leben ein Qualitätsmerkmal oder ein Problem ist. Koglmann ist das bestimmt egal. Eine schöne und respektvolle Arbeit. PS: Franz Koglmann hat den Preis der Stadt Wien für Musik 2001 erhalten.