Various Artists

Discotheque Guinée 70 - 76

Syliphone

Super-Sampler-Reihe mit auf dem ersten Hören unglaublich seltsamer Musik aus Afrika. Aber auch hier geht es nicht einfach um reimportierten Funk, der dann halt etwas afrikanisiert in die Orgeln greift und aufs Wah Wah-Pedal tritt. Da sprechen allein die eh schon in funkyfizierter Marschmusik-Schräglage agierenden Bläser auch eine deutlich andere Sprache. Warum die hier versammelte Musik aber auch jenseits des aktuellen Afro-Beat-Hypes fasziniert, erschließt sich eher woanders. Da gab es ja mal die bissl extra-esoterisch angehauchte Idee »Stille hörbar machen«. Gut. Hier geht?s eher darum, Elektronik, Elektrizität und Effekte (Hall, Echo, Verzerrer, von der Surf Music entlehnte Gitarren-Manipulationen) hörbar zu machen. So finden sich immer wieder längere Passagen mit scheinbar ursprungslos herumfliegenden Sounds, die erst nach einiger Zeit einer E-Gitarre oder einer manipulierte Orgel zugeordnet werden können (meist sind es dann wirklich Gitarren!!!). Also etwas, was so (und in den 70ern) eigentlich immer nur im Zusammenhang mit Miles Davis? Electric-Jazz-Phase (exemplarisch auf den Japan-Live-Hardcore-Monstern »Pangea«, »Agartha« und »Dark Magus« vorgeführt) erwähnt wurde. Aber das ist nur ein Nebenschauplatz innerhalb eines Gewusels afro-psychedelischer Synkretisierungen, bei denen selbst die pseudo-indischen Korla Pandit-Exotica-Orgeleien (ohne deren Abkupfern es bekanntlich die Doors nie soweit gebracht hätten) von Innen nach Außen gestülpt werden. Dass die Rhythmen & Grooves dabei sowieso einen extremen Import/Export-Handelsverkehr innerhalb des »Black Atlantic« betreiben, versteht sich eh von selbst. Und auch der »Unglaublich seltsam«-Aspekt muss sich schließlich einer Revision unterziehen. Handelt es sich hier doch auch um eine »Exotica«, der gesagt wird, jetzt doch endlich mal die Dschungelmaske abzunehmen und die darauf nur antwortet: »Welche Maske?«