Die Buben im Pelz

»Die Buben im Pelz & Freundinnen«

Konkord

Dass Christian Fuchs und David Pfister gut miteinander können, war schon bei den Live-Shows der Neigungsgruppe Sex, Gewalt & Gute Laune zu bemerken. Was die pelzigen Buben da jetzt aber abliefern ist mehr und anders als man hätte erwarten können. Einen Monolithen der Popgeschichte wie »The Velvet Underground & Nico« (1967) ins Wienerische zu übertragen ist kein Lercherl, wobei es sich eher um einen eher neutralen ostösterreichischen Dialekt handelt, der auch deftig werden kann. Deftig ist gewiss die Wurst, die die Warhol-Banane am Cover ersetzt, nur dass die keine Assoziation wie in den USA -»bananas« für Kokainlieferungen (weil in Bananenkisten) – nahelegt. Der Wiener füllt sich eben lieber am Würstelstand ab und kiefelt daneben auf einer Hass’n herum.
Um dem übermächtigen Original gerecht zu werden, hat das Pelzduo Verstärkung angefordert: Sir Tralala (vielseitig einsetzbar), Dorit Chrysler, Monsterheart, Teile der Striggles, Ralph Wakolbinger an der Trommel, und Boris Bukowski für einen beeindruckenden Vocalpart (»Heroin«). Ganz schön abspielen dürfte es sich jedenfalls in der Blutbahn bzw. in den Ganglien, so wie Bukowski hier (englisch) den Lou Reed-Impersonator gibt. Durchwegs gelungen sind die freien Ûbersetzungen, deren Güte sich besonders bei Passagen zeigt, bei denen von der 1:1-Ûbersetzung abgewichen wird. »I’m Waiting For The Man« etwa wird zum »Schwedenplatz«, »All Tomorrows Parties« zu »Olle Faden Partys«, und »European Son« zu »Weana Bua«. Bei den einlullenden Melodien, besonders die im Original von Nico gesungenen Stücke, ist es doch die dunkle Gewalt und Bedrohlichkeit bzw. der Kontrast zum Leichtfüßigen, der die Bananen-Platte ausmacht. Das ins Hier und Jetzt zu trans- formieren ist den Buben passabel gelungen. Ziemlich gut sogar in »Das Todesengel Lied«, das einem Wienerlied mit seinem 3/4-Takt am nächsten kommt, oder im paranoiden »Schwedenplatz«, welches die unglaubliche Trommel von Moe Tucker vergegenwärtigt. Die Inhalte sind sowieso zeitlos, nur die Drogen haben sich geändert.
Das aktuelle Wien ersetzt das East Village als Ort der Projektion, wilder und dramatischer als im echten Leben, aber das ist eben alles eine Frage der Perspektive und eine Millionenstadt hat genug dunkle Ecken und tägliche Dramen, sogar dort, wo man sie nie vermuten würde. Der Satan und der Herrgott spechteln immer wieder mit einem Blinzeln um die Ecke, ganz ohne Metaphysik geht nämlich gar nichts, selbst wenn man der Agnostik zugeneigt ist. »Wenn du glaubst der Herrgott frisst dei Seel‘ / Wenn du glaubst der Teifl sauft dei Bluat / Wenn es nimmer geht / Dann kumm zu mir« singt Pfister im Duett mit einer Frauenstimme (Monsterheart?) in »Tiaf Wia A Spiagl«, und das ist einfach nur tief berührend und der »Spiagl« bekommt mystische Kraft.
Exzellent aufgenommen wurde wieder bei Bernd Heinrauch im steirischen Niemandsland, der den elf Stücken mit nicht zu wenig Hall ein gegenwärtiges Soundkleid angemessen hat, ohne die ursprüng- liche Grundstimmung anzutasten. Es würde sich noch das eine oder andere epochale Album zur Aneignung empfehlen!

Schlagwörter: , ,