Destinys Child

»Destiny Fulfilled«

Sony

Der Titel stand wohl schon vor Produktionsbeginn fest. Denn nach der vom Produzenten Darkchild maniclapturierten Marsch-Maschine »Lose My Breath« sowie dem Beinahe-Ghetto-Tech in »Soldier« schalten die Schicksalskinder auf den übrigen 10 Songs fast durchgehend in mittlere BpM-Gänge und Soul-Nostalgien zurück, wie in einem überüberlangen Ende eines atemberaubenden Hollywood-Reißers, wo die Heldinnen, die zwischen 1999 und 2001 virtuelle Jump-Up-Parcoursläufe in üppig florierenden Digi-R&B-Tonographien mit virtuosen Vocal-Skills bravourös meisterten, zum »normalen Leben« zurückkehren. Und die Gender-Race-Class-Politik? Mit der fast kompletten Entledigung jeglicher Cyber-Aspekte nehmen die Damen auch ihren progressiven, resolut-emanzipativen, manchmal aber auch zu preachy Ton zurück, stattdessen das Pascha-Kuriosum »Cater 2 U« auf und enttäuschen regelrecht im ghettoaffirmativen (und subkutan wohl auch Irakkrieg und die Rekrutierungsmechanismen von US-Soldaten aus vorzugsweise unteren, latino/afroamerikanischen Schichten supportenden) »Soldier« – »If his status ain’t hood, I ain’t checkin for him«. Ob deshalb trotz aller Anleihen an seine Soul-Restaurationen »College Dropout« und Louis-Vuitton-Rucksackträger Kanye West nicht mitproduzierte? Beyoncé, Kelly und Michelle schmieden hier schon auch an Allianzen und Solidaritäten unter den Ladies in Sachen Love Issues (was gerade Beyoncé in ihrer selbstzentrierten Solokarriere vermissen ließ), aber eher unter dem Sweetheart-Soul-Paradigma als Digi-Selbstverteidigungs-Camp. Vielleicht hielt man (Matthew Knowles-Inc?) sich deshalb mit gewichtigen Statements zurück, um den Spotlight von der Front Playerin nicht zu sehr abzulenken?