TG Mauss

»Dear Stranger«

Karaoke Kalk

Das mag jetzt pathetisch klingen, aber solche Alben sind wirklich selten. Moment! Dieser Satz gehört eigentlich an den Schluss der Review. Unter dem Kürzel TG Mauss hat der aus Düsseldorf stammende Torsten Mauss schon zwei Longplayer angespielt, zuvor veröffentlichte er als Twig Moniker eine Reihe von EPs. Moment! Der Satz gehört auch ganz woanders hin. Herrgott! Kraut und Rüben in dieser Review! Ein wenig so wie auf »Dear Stranger«, aber dort zumindest ist es ein grandioser Effekt. Mein Enthusiasmus rührt vermutlich daher, da ich mich für SKUG vor allem durch den störrischen Garten der Elektroakustik wühle, wo oftmals ein eher seriöses bis staubtrockenes Selbstverständnis vorherrscht. Man macht halt sein Ding (»ihr Ding« klänge da jetzt blöd, oder?). Die Vorstellung, die vielen Spielarten zwischen Elektroakustik und Dark Ambient, zwischen Postrock und Elektrofolk einfach als gleichwertige Ausdrucksmöglichkeiten zu begreifen, ist eher selten. Ist ja auch irgendwie eine altbackene Attitüde, oder? Auf praktisch jedem klassischen Rockalbum gab es eben eine Ballade und einen Blues, eine tanzbare Nummer und eine Exaltiertheit. Dass dergleichen aber auch unter elektronischen Vorzeichen möglich ist, dass ein Ambientgeflirre neben einem Synthiegroove oder einer folkigen Fitzelei stehen kann, und dass danach plötzlich ein Elektropopstück auftaucht, das völlig ungeniert nach New Order klingt, das ist in diesem Fall nicht billige Zerstreuung, sondern höchst willkommenes Streunertum. Auch weil das Soundgefüge insgesamt sehr stimmig ist, selbst bei einer putzigen Spielerei wie »Dark«. Darum ist »Dear Stranger« insgesamt eine ebenso versponnene wie hörenswerte Angelegenheit, die auf durchaus verschmitzte Art etwas herrlich Integratives hat. Solche Platten gibt es in Zukunft bitte, öfter, ja? Moment! Nein, passt, der Satz gehört hierher.