clipping.

»Visions of Bodies Being Burned«

Sub Pop

Mit »Visions of Bodies Being Burned« veröffentlichen der Rapper Daveed Diggs gemeinsam mit den Produzenten Jonathan Snipes und William Hutson als clipping. ihr siebentes Album. Die stark konzeptuelle Komponente des Trios aus L.A. führte in diesem Jahr bereits zu einem ungewöhnlichen Veröffentlichungsreigen: einer Benefiz-Single für den von Polizisten in Minneapolis ermordeten früheren Rapper George Floyd (»Chapter 319«) im Juni folgte kurz darauf ein eher wildes Live-Doppelalbum in Zusammenarbeit mit Christopher Fleeger, bevor im Oktober schließlich das Studioalbum »Visions of Bodies Being Burned« vorgestellt wurde. Was lässt sich darüber sagen? Es ist jedenfalls sehr technisch: Die Raps sind geschliffen scharf – wer es roh und gritty mag, wird ohne Eingewöhnungsphase nur schwer einen Zugang finden. Ähnliches gilt auch für die Beats, die ein breites Spektrum abdecken: von Breakcore über Experimentell bis hin zu Trap sind die Sounds auf den Punkt produziert. Das macht bis zu einem gewissen Grad auch Sinn, denn clipping. hört man am besten auf großen Festivalbühnen. Nur finden derzeit leider keine Festivals statt. Somit schiebt sich die Technik in »Visions of Bodies Being Burned« manchmal derart in den Vordergrund, dass die über den Text anvisierte Düsterkeit mitunter zerfällt. Das ist schade – denn die Idee, das Horrorthema mit den rassistischen Ungerechtigkeiten in den USA zu verbinden, zeigt durchaus Potenzial: »When the fuck the swamp turn into real estate? / Spirits in the weeping willows heavyweight / Spirits out the bathtub for the every day / Heavy mists got vision cloudy anyway« (»Eaten Alive«). Auch wenn Daveed Diggs in »Check the Lock« die Klaustrophobie amerikanischer Suburbs in eine verstörende Geschichte verpackt, spricht der Sound eine gänzlich andere Sprache – glasklar und ausproduziert bleibt nicht mehr viel übrig vom »dirt and oil on his hands«. In der stilistischen Vielfalt des Albums lösen sich derartige Widersprüche auch immer wieder auf, besonders im Fall von Gastauftritten. So reklamieren cam & China in »96 Neve Campbell« eine feministische Deutung einer der Hauptfiguren des Horrorfilms »The Craft« ein: »This bitch boss / She came in the game, no flex«. Am Ende bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck zurück – verbunden mit der Hoffnung, dass clipping. bald die Möglichkeit bekommen, »Visions of Bodies Being Burned« als Live-Performance umzusetzen.