Brown Sugar

»I’m in Love with a Dreadlocks. Brown Sugar and the Birth of Lovers Rock 1977–80«

Soul Jazz Records

Die britische Girl-Band Brown Sugar gehörte zu den wesentlichen Acts des Lovers Rock. Ihr Song »I’m in Love with a Dreadlocks« wurde 1977 zu einer der Ikonen dieses jungen britischen Reggae-Stils. Das Lovers-Genre startete aber schon einige Jahre zuvor mit der damals 15-jährigen Sängerin Louisa Marks. Ihre Neuinterpretation von Robert Parkers Soul-Klassiker aus dem New Orleans der Endsechziger, »Caught You in a Lie«, war bereits 1974 ein britischer Reggae-Hit. Marks adoleszente Soul-Stimme über basslastigem Reggae darf als Startpunkt des englischen Lovers-Stils gesehen werden. Über die Anfänge von Lovers schreiben Steve Barrow und Peter Dalton im »Rough Ruide to Reggae«: »Die frühen Jahre des Lovers Rock haben zwei Hauptassoziationen: Londons Blues Partys und Platten von jugendlichen Sängerinnen, die klangen, als würden sie sich noch immer Sorgen um ihre Schulzeugnisse machen.« Doch das änderte sich, als das Jahrzehnt zu Ende ging, mit Bands wie Steel Pulse oder Aswad. Nicht zuletzt gewaltsame Zusammenstöße mit der Staatsgewalt anlässlich des Karnevals in Nottinghill und später bei sogenannten Rassenunruhen in Brixton, Süd-London, bewirkten bei den karibischen Zuwanderer*innen ein starkes Selbstbewusstsein sowohl bezüglich ihrer ethnischen Abstammung als auch ihrer Identität als Bürger*innen Großbritanniens. Die Lyrics und der Sound des neuen Brit-Reggae-Stils reflektieren das. So auch die Songs der drei Brown-Sugar-Vokalistinnen Caron Wheeler (später Sängerin von Soul II Soul), Carol Simms (später als Kofi mit Mad Professor erfolgreich) und Pauline Catlin. Einen wesentlichen Anteil am langlebigen Erfolg der Sängerinnen muss man wohl ihrer Begleitband Matumbi und vor allem Mastermind Dennis Bovell zuschreiben. Barrow & Dalton bezeichnen Brown Sugar als Gründer des Subgenres Conscious Lovers. Titel wie »Black Pride«, »Proud«, »Dreadlocks« oder »Our Reggae Music« sagen es. Diese Compilation fasst die über diverse Alben verstreuten Singles/Songs einer der fantastischsten und vom Markt am meisten vernachlässigten Reggae-Bands zusammen.