Untold

»Black Light Spiral«

Hemlock

Die fortgesetzte Beschäftigung mit (Popular-)Musik in ihren verschiedenen Erscheinungsformen führt für Fans im Allgemeinen und für JournalistInnen im Speziellen zu einem gewissen Abhärtungseffekt. Man toleriert in zunehmendem Maße Musik, die die breite Masse als ungenießbar zurückweist. Auch die Parforceritte des Elektronikkünstlers Untold alias Jack Dunning aus London würden im CD-Player wohl keine Familienfeier überstehen, selbst wenn der nerdige Sohn »Black Light Spiral« für ein ganz normales Album hält. Doch ein solches ist es nicht. Wie in einem Shakespeare-Drama wirft das Chaos schon zu Beginn seine Schatten voraus in Form von unnachgiebigem Sirenengeheul im eröffnenden »5 Wheels«. Es folgt das garstige »Sing A Love Song«, das auf einem Voice-Loop basiert und sich schnell zu einer an den Nerven zehrenden musikalischen Perseveration verdichtet. Steve Reich lässt grüßen. Ein wenig Entspannung bietet das beinahe tanzbare »Doubles«, doch auch hier wirken die Sub-Bässe und Pulsschlag-Wobbles eher bedrohlich als freundlich. Ebenso »Strange Dreams«: Durch das gesamte Frequenzspektrum hindurch führen einen treibende Beats, wild flackernde Klangschnipsel, von weit entfernt eindringende Todesschreie und plötzliche Breaks im Wechselspiel mit träger Monotonie langsam aber beständig der Verzweiflung zu, was in noch gesteigerter Form auf »Hobthrush«, das achtminütige Herzstück des Albums, zutrifft. Am besten nie alleine hören!