Black Country, New Road

»For The First Time«

Ninja Tune

Black Country, New Road (BCNR) sind mit ihrem Debütalbum die Band der Stunde. Und es sieht ganz danach aus, als hätte sich damit ein von vielen schon länger gehegter Wunsch nach einer neuen, jungen, intelligenten Rockband mit fünf- bis zehnminütigen Songs erfüllt. Die Betonung liegt sowohl auf »Rock«, mit all seinen (be-)gleitenden Präfixen von »Indie« über »Prog« bis »Post«, als auch auf »Band« als kleinster kollektiver Einheit, in der musikzentriert und songorientiert gearbeitet wird. Sind BCNR die Billie Eilish des Postrock? Oder zumindest die legitimen Kinder von Tortoise, Godspeed You Black Emperor oder Arcade Fire? Keine Angst, es liegt mir fern, mit besserwisserischen Hype-Verdächtigungen dagegen zu halten. Denn die siebenköpfige, in London ansässige Band hält, was euphorische Kritiken versprechen. Auch wenn es in den Proberäumen und Bandcamps dieses Planeten etliche ähnlich operierende Bands gibt, denen vermutlich nie dieselbe mediale Aufmerksamkeit zuteilwerden wird, so heißt das ja nicht, dass BCNR unverdientermaßen im Rampenlicht stehen. Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort – na klar. Und dann auch noch auf Ninja Tune veröffentlichen. Das mag nicht mehr so spektakulär erscheinen wie einst Maximo Park auf Warp Records, ist aber der betont genreübergreifenden Offenheit auch nicht gerade abträglich. Auch dass das 2018 begonnene Zusammenspiel von konservatoriumsgeschulten und autodidaktischen Musiker*innen zu instrumental so stimmigen wie spannenden Songs ohne Leistungsschau geführt hat, spricht für die Vielfalt der musikalischen Zugänge und Aneignungsprozesse, die nach wie vor im guten alten Bandformat produktiv werden können. So spielt etwa Violinistin Georgia Ellery auch im Happy Beigel Klezmer Orkester. Klezmer-Einflüsse fließen wie selbstverständlich in den Opener »Instrumental« und in »Opus«, den letzten der sechs Songs, ein. Die offensichtlichste musikalische Referenz ist freilich Slints »Spiderland«. Was sich insbesondere im grandiosen »Sunglasses« (wie »Athens, France« eine Neueinspielung der Single-Versionen) manifestiert, kündigt Sänger Isaac Wood zuvor in »Science Fair« mit ironischem Understatement an: »And fled from the stage with the world’s second best Slint tribute act.« Der schlaue, erst 22-jährige Texter weiß seine pophistorischen Verweise pointiert zu platzieren: Da wünscht sich ein Alter-Ego, seine Kids sollten sich nicht wie Richard Hell kleiden; ein anderes findet sich auf Springsteens »Thunder Road« wieder: »Oh I was born to run. It’s Black Country out there.« Wir dürfen gespannt bleiben, wohin der Weg noch führt.