Various Artists

»Beats From Badsville«

Stag-O-Lee

Vor einem halben Jahr stie&szlig der Besitzer eins Plattenladens zufällig auf einen Teil der Plattensammlung von Hip Hop-Legende J Dilla. Die circa 8000 Alben sind zwar zu gro&szligen Teilen Ramschware, die man auf jedem Flohmarkt hinterhergeworfen bekommt, trotzdem gehen die durch die Aura Jay Dees aufgewerteten Platten, die der glückliche Finder nun verkauft, weg wie warme Brötchen. Die Plattensammlung von Radio-Legende John Peel hingegen wird derzeit akribisch archiviert. Die ersten 100 Alben eines jeden Buchstabens werden online gestellt. Das sind nur zwei Beispiele einer neuen Art der Fetischisierung von Musikern und Musik-Kennern. Ein weiteres? Die Plattensammlung wieder anderer Legenden – dem Ehepaar Lux Interior und Poison Ivy von den Cramps – wird nun in einer Compilation der interessierten Üffentlichkeit zugänglich gemacht. Die so durchgedrehten wie durchdachten Cramps haben mit Garage Punk, Psychobilly und Goth Rock gleich drei Genres begründet oder ma&szliggeblich beinflusst. Das Cramps-Ehepaar dürfte also eine der interessantesten Plattensammlungen überhaupt besitzen, zumindest was R’n’B und Rock ’n‘ Roll angeht. Entsprechend betitelt sind die vier Seiten der Doppel-LP: Von »Lip Curling Rock ’n‘ Roll« über »Crazy Mixed Up Sounds« bis hin zu  »Instrumental Madness«. Vergessene Namen wie Johnny Jay oder Hayden Thompson zeigen, an welchen Elvis wir uns vielleicht erinnern würden, wenn er nicht als G.I. nach Deutschland gegangen und als Schmalzbacke zurückgekehrt wäre. So richtig weird, wie man es vom Cramps-Ehepaar erwartet, wird es aber erst mit den letzten sechs Liedern, »Ghoulish Exotica« überschrieben. Bis hierher mögen die Stücke zwar etwas dreckiger und ungeschliffener herüberkommen, bewegen sich aber in durchaus gewohnten Fifties-Gefilden. Die Interpreten und Songs mögen genrefremden Hörern ungeläufig sein, in der Rockabilly-Szene aber sind sie keineswegs Unbekannte. Dennoch: »Beat From Badsville Vol. 1« hält die Erinnerung wach an eine rauere und rohere Seite der 50er und 60er, die uns die immer gleichen Oldies-Compilations mit ihren grö&szligtenteils zahmen und kitschigen Songs vergessen machen wollen. Und, bitte: Immer her mit dieser Art von Musiker-Fetisch. Es gibt noch so einige Plattensammlungen, die man lohnend in Compilations verwandeln könnte.