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Kamikaze Queens

»Automatic Life«

Sounds of Subterrania

Ich lass euch erstmal mit dem Attribut »Berlin Punk Cabaret« alleine und gehe eine rauchen. ?berlegt euch doch selber was dazu! Stellt euch eine Musik dazu vor, die dieses Etikett verdient! So, aber jetzt mal ab. [??] Ja, da bin ich wieder. Ist euch schon was eingefallen? Ich schmei&szlig euch noch ein paar Begriffe hin. »Dada, Tango & Glamour.« Au&szligerdem: »Burlesque’n’Garage.« Cool, oder? Sollte man sammeln. Könnte man sicher in einem frühmorgendlichen Gespräch über den Untergang der abendländischen Popkultur einstreuen. Dort nämlich gibt es ein Kapitel, in dem in grellsten rhetorischen Farben eine Epoche ausgemalt wird, in der jeder Rückgriff auf ehemalige Stilepochen erlaubt ist, solange dabei irgendein Benefit zu erwarten ist. Und gerade die exaltierte, zugleich verruchte Revue-Welt der 1920er heraufzubeschwören, wäre doch äu&szligerst vielversprechend. Nur. Folgerichtig müsste man dann umgedichtete Schlager und Chansons zum Besten geben (rotzfreche Coverversions von den Pistols bis zu Gaga), zugleich durch frivole Kostümierungen einiges fürs kleinbürgerliche Auge bieten, und nicht zuletzt sollte das Kabarett am Cabaret nicht zu kurz kommen. Bei&szligende Kritik an verlogenen Zeiten und Sitten also, die man gerade durch gelebte Dekadenz zu kippen versucht. Ja, das jetzt umgelegt auf heutige Zeiten, und wir hätten ein zeitgemä&szliges Cabaret, das sich von den Ursprüngen über die besten Filme von Bob Fosse, über die Berlinphasen von Bowie und Reed bis hin zu den Dresden Dolls nachspüren lässt. Aber bieten uns das die Kamikaze Queens? Nur sehr eingeschränkt, leider. Wenn hier eine versunkene Revuewelt heraufbeschworen wird, dann in erster Linie als stylische Reminiszenz, die sich damit begnügt, Stereotypen (der Punk, das Revuegirl, der Schlagersänger, der 50ies-Rocker ??) abzufeiern. Auch das Kabarettistische in den Texten kommt über ein halbwitziges Lamentieren nicht hinaus, und die Musik schlie&szliglich darf man getrost als Potpourri bezeichnen. Jedes popaffine Genre ist vertreten und das hei&szligt, dass fast nichts davon wirklich frisch oder aufregend klingt. Trotzdem ist die CD nett anzuhören und ein Auftritt der Kamikaze Queens sicher ein must see. Es hat nur nichts mit Punk oder Cabaret zu tun …

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