Osvaldo Coluccino

»Atto - Acoustic Objects«

Another Timbre

Auf »Atto« versucht der italienische Komponist Osvaldo Coluccino sein Glück mit akustischen Objekten. Der Hinweis, dass es sich dabei weder um musikalische Instrumente handelt, noch dass elektronische Manipulation im Spiel ist, erklärt teilweise bereits die Besonderheit dieser CD. Man erfährt nicht, welche Objekte die Klänge auf »Atto« erzeugt haben, aber da auch diese gekratzt, geschabt, angehaucht wurden, wäre ein musiktheoretischer Wälzer wohl alleine mit der Frage zu füllen, wo die Grenze zwischen Musikinstrument und Musikobjekt zu ziehen ist. Eine Frage, die Osvaldo Coluccino indirekt beantwortet: »Musik ist für mich ein Ort«. Wohl auch der Ort, an dem Klang entsteht, darf man vermutlich hinzufügen. Okay, aber wie klingt das nun? Die gute Nachricht ist: Die zum Klingen gebrachten Objekte reihen sich fast nahtlos in die spröde, reduzierte Klangwelt Coluccinos ein. Ähnlich wie bei jüngst erschienenen »String Quartetts« (Neos Music) oder auf »Stanze« (Col Legno) betritt der Hörer/die Hörerin eine karge Klangwelt, die ebenso abstö&szligt wie auf fast mystische Weise anzieht. Kein Wunder: »Komponieren«, so erzählt der Maestro, »war für mich immer schon ein einsames Werken, ein Schaffen in Isolation«. Diese Isolation am Ort des Schabens hört man ein wenig auch durch. Die nicht ganz so gute Nachricht: So verdienstvoll der Verzicht auf elektroakustisches Equipment sein mag, wer einen Meilenstein der »musique concrète« sucht, ist bei den elektroakustischen Vertretern des Faches (jüngst etwa eRikm oder Francisco López) vermutlich besser aufgehoben. Denn »Atto« ist purer Coluccino.