Real Estate

»Atlas«

Domino

Pophistorisch betrachtet ist es mehr als seltsam, dass fluffiger College und Alternative Rock mit Wattebausch auch 2014 noch zieht. Schließlich haben bereits vor gut 30 Jahren Bands wie Teenage Fanclub dafür den Grundstein gelegt, und seitdem hat das Genre erfolgreich Abstand von Begriffen wie Weiterentwicklung, Querdenken etc. gehalten, was zur zunehmenden Verwechselbarkeit der Repräsentanten führte. Das liegt natürlich auch daran, dass der dieser Musik zugrunde liegende Ingredienzenmix ganz einfach eine wohlige Stimmung verbreitet und nachfolgende Generationen daher oft nur die Vorlagen ihrer Idole abzupausen brauchen, um ein bisschen Erfolgsluft schnuppern zu können. Die alten Säcke, die dann entrüstet »Galaxie 500« oder »Luna« schreien, können sch… gehen. Auch Real Estate sind durchaus traditionsbewusst. Sie vereinen den kantenlosen Wohlklang von Belle & Sebastian mit den harmonischen Tricks von Departure Lounge (siehe deren »Music For Pleasure«). Mit dem glückseligen »The Bend« oder dem funkelnden Instrumentalstück »April’s Song« enthält »Atlas« sogar zwei echte Knüller. Doch kratzt man ein wenig an der karamellisierten Oberfläche, so offenbaren sich auch auf dem dritten Album der Band aus New Jersey Probleme wie mangelnder Ideenreichtum und anhaltende Monotonie. Nach zehn Songs, die eigentlich zwei Songs in fünffacher Ausführung sind, hat man von »Atlas« erst einmal genug.