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Atonaler Jazz gilt manchen Ohren eher als eine Art Betriebsunfall, weil er nicht selten so klingt, als würde man Anton Webern oder Arnold Schönberg die improvisierten Leviten lesen wollen. Aber natürlich, es gab auch Ornette Coleman, Archie Shepp und Co. Das klang dann eher nach Anton »Yusuuf« Webern mit arroganter Lässigkeit und kongenialem Groove. Das war 1960 und um diese Zeit herum gab es auch die legendäre Jimmy Giuffre 3, die mit »Fusion« und »Thesis« zwei wunderbar entspannte, und dennoch astrein atonale Kammerjazzplatten machte. Damals definitiv ahead of their time – und heute noch ein Beispiel für gelungenen atonalen Jazz. Saxophonist Frank Gratkowski und Pianist Jacob Anderskov wandeln auf »Ardent Grass« großteils in der introvertierten Nähe von Jimmy Giuffre 3, schrecken aber auch nicht vor einem typisch hektisch-fahrigen Anton-Webern-blow-a-like zurück. Das Resultat ist atonaler Kammerjazz in Reinkultur, dessen herausragende Virtuosität außer Zweifel steht. Trotzdem gibt es kaum ein Stück auf der CD, das überraschend oder unerhört klingt. »Ardent Grass« ist also eher etwas für eine eingeweihte Klientel, die findet dort aber reichlich dissonantes Wohlgefallen.

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Text
Curt Cuisine

Veröffentlichung
04.05.2013

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