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Man sollte der Geschichte und der eigenen Erinnerung immer eine zweite Chance einräumen. Ich finde nur schwer Worte, um die Bedeutung des göttlichen Oum Kalsoum für die arabische Welt zu beschreiben. Geboren 1904 in Ägypten, wurde sie bereits in den frühen 20er Jahren ein Star und blieb immer geliebt und populär (ihr Mausoleum in Kairo wird seit ihrem Tod 1975 regelmäßig von Scharen ihrer Anhänger besucht). Vielen kommt ihr Namen ganz automatisch von den Lippen, wenn sie sich an eine Handvoll Gefühle, Parfüme, Souvenirs, an Gespräche und an Traurigkeiten erinnern. Zu kleiner Orchestrierung (Streicher, Gesang und Ud) sang sie ihre Gedichte und Lieder von seltener Qualität. Zugleich gefühlvoll und verhalten, verspielt und reserviert, barg ihre Stimme einen orientalischen Schatz. Ich versuche mit dieser kurzen Rezension auf eine Künstlerin aufmerksam zu machen, die so wichtig wie Maria Callas, Shakespeare und Dalida ist. Es hört sich vielleicht abgedroschen an, aber wer jemals eine Nargileh geraucht und dabei ihren Gedichten und Liedern gelauscht hat, der entschwand in eine andere Welt. Naja, es war vielleicht nicht eine komplett andere Welt, es war noch immer der selbe Planet aber, Salam Aleikum, ein wahrhaft großer! Bitte, hört Oum Kalsoum. Die Reihe von Virgin ist ein guter (und preisgünstiger) Anfang, und wenn ihr schon mal dabei seid, stürzt euch auch noch auf Farid El Atrache und Fairuz. Macht diese Pflicht zu einer Kür, und eure Welt wird ein Stück größer.

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Text
Noël Akchoté

Veröffentlichung
05.02.2003

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