Spunk

»Adventure Botanica«

Rune Grammofon

Spunk sind das Viermäderlhaus der zeitgenössischen Avantgarde, zumindest jenes Teils, der nordseitig schwer in die Improvisation hineinragt. Erst vergangenes Jahr haben sie ein Mammutprojekt veröffentlicht, die über zwölf Jahre hinweg eingespielte Impro-Session »Das Wohltemperierte Spunk« (bei der entsprechenden Review haben wir übrigens zwei der vier Damen eine unfreiwillige Geschlechtsoperation verpasst – eine späte Entschuldigung dafür). Es handelt sich um die Sängerin Maja S K Ratkje, die Hornistin Hild Sofie Tafjord, die Cellistin Lene Grenager und Kristin Andersen an der Trompete und Flöte. »Adventura Botanica« klingt beim ersten Reinhören nach Impro as usual, entfaltet aber schnell einen wunderbaren Klang- und Spielartenreichtum. Tatsächlich handelt es sich um eine Kooperation mit dem norwegischen Tänzer und Choreographen Odd Johan Fritzøe, die sich thematisch um die berühmte Reise des Artenforschers Charles S. Darwin nach Madagaskar dreht. Ähnlich wie Darwin, der sich dem Studium der »unsichtbaren Gesetze der Natur« widmete, wenden sich Fritzøe und Spunk der Suche und Sammlung einer unsichtbaren (nona, weil rein akustischen) Artenvielfalt zu. Was schon ohne diesen logischen Zusammenhalt eine zwar beliebige, aber herrlich abwechslungsreiche Soundreise wäre, wird auf diesem Weg zu einer atemberaubend schönen Demonstration davon, was moderne, auf Improvisation beruhende Musik zu leisten vermag. Diesen sprießenden Soundgarten voller lichter Vokalblüten, surrender, insektoider Mikromelodien und schnatterndem Ungeziefer, der dennoch auf rein akustischem Instrumentarium erzeugt wird, muss man gehört haben. Dafür gibt es die Höchstnote, verliehen von der Hammerfester Impro-Innung.