David Sylvian

»A Victim Of Stars 1982-2012«

Virgin Records

David Sylvian für sich zu entdecken kann eine der aufregendsten Erfahrungen des Lebens sein. Meine persönliche Reise in dieses musikalische Universum begann mit »Tin Drum«, der letzten Platte von Sylvians Band Japan und führte mich über sein erstes Soloalbum »Brilliant Trees« schlie&szliglich zu »Secrets Of The Beehive«, dem Meisterwerk zwischen Jazz und Ambient, Tape Loops und Orchesterarrangements. Jahrhundertplatte. Weitere Zukäufe folgten in regelmä&szligigen Abständen und auch in Zukunft wird David Sylvian wohl einer meiner ständigen Begleiter bleiben. Solch langsames Eintauchen in die bemerkenswerten Klangwelten des Engländers sei jedem empfohlen, kann aber nicht allgemein erwartet werden. Wer einfach nur viel Sylvian auf (relativ) wenig Platz sucht, dem sollte die Zusammenstellung »A Victim Of Stars 1982-2012« hinreichende Dienste tun. Das über Virgin erschienene Doppelalbum fasst das Werk des Ausnahmesängers schlüssig zusammen und fügt es in einen Entwicklungskontext. Die CD beginnt mit »Ghosts«, dem sperrigen Abgesang und Top-10-Hit von Japan, widmet sich mit jeweils drei Songs den bereits erwähnten Alben »Brilliant Trees« und »Secrets Of The Beehive«, dem etwas flachen »Dead Bees On A Cake«, dem elektronisch texturierten Trennungsalbum »Blemish« und den rezenteren, sehr guten Veröffentlichungen »Snow Borne Sorrow« und »Died In The Wool«. Darüber hinaus enthält die Compilation ein neues Stück namens »Where’s Your Gravity?«. Wesentliches ist also enthalten; die Songauswahl der jeweiligen Alben ist stimmig. Sylvians diverse Kollaborationen (u.a. mit Ryuichi Sakamoto, Robert Fripp, Burnt Friedman etc.) wurden in unterschiedlicher Intensität, aber insgesamt zufriedenstellend berücksichtigt, sieht man einmal von den beiden Alben mit Holger Czukay ab, die hier keinen Eingang fanden. Angesichts der Vielseitigkeit des Künstlers ist vor allem die Homogenität von »A Victim Of Stars« überraschend. Das ist zwar einerseits zu begrü&szligen, weil dadurch ein rundes Hörerlebnis garantiert wird. Allerdings ist damit das Bild, das von Sylvian entworfen wird, ein unvollständiges. Keine Berücksichtigung finden nämlich die New Romantics-Phase von Japan (»Gentlemen Take Polaroids«), Annäherungsversuche an fernöstliche Rhythmik (»Alchemy«) und Experimente mit totaler Stille (»Approaching Silence«). Sollte »A Victim Of Stars« allerdings darauf Lust macht, hat es seinen Zweck nicht verfehlt.