Die Kolleg*innen von Orange 94.0 sind so etwas wie »natürliche Verbündete« von skug. Wir sind beide bemüht, jenen Personen eine Bühne zu geben, die im medialen Mainstream ignoriert werden. Wir behandeln deshalb beide Themen, die in Standardmedien oft wenig oder gar keine Erwähnung finden. Redaktionell unterstützen wir Amateur*innen und Anfänger*innen bei der Medienarbeit, die oftmals höhere Ansprüche an sich richtet als so manches Massenmedium. Als Vereine haben wir zudem ähnliche medienpolitische Interessen – nämlich, dass der österreichische Staat nicht-kommerzielle Medien überhaupt fördert. Aus diesem Grund arbeiten wir seit vielen Jahren mit Orange 94.0 zusammen.Â
Im Bündnis alternativer Medien (BAM!) versuchen wir seit 2018 Debatten über die Aufgaben und Chancen österreichischer Medien anzuregen. Im kürzlich gegründeten Netzwerk Gemeinwohljournalismus setzen wir uns für die Stärkung des nicht-kommerziellen Mediensektors ein. Zudem kooperieren wir mit Orange 94.0 regelmäßig im Zuge von Veranstaltungen und Sendungen. Vertreter*innen des Radios waren schon mehrmals beim Salon skug zu Gast und wir konnten Aufnahmen von Salons im Rahmen der Sendereihe »Vienna Rec« ausstrahlen. Unsere Salons wurden zum Teil auch live auf Orange 94.0 übertragen bzw. fanden gar live im Radio statt. Vor diesem Hintergrund war es nur ein logischer Schritt, die Zusammenarbeit zu formalisieren. skug ist ab jetzt offiziell und regelmäßig auf Orange 94.0 zu hören. Wir präsentieren: »Salon skug on air«.
Totgesagte leben länger
Unserer Entscheidung liegt folgende medienstrategische Überlegung zugrunde: gemeinsam sind wir stärker. Wer skug googelt, bekommt zuverlässig auch eine Liste von Abgesängen präsentiert. So funktioniert das Internet. Und die stammen fast alle aus jenem Jahr, als skug seinen Printbetrieb eingestellt hat. Die hochverehrten Kolleg*innen anderer Magazine riefen damals skug mit dem Beigeschmack innerer Zufriedenheit nach, es sei wirklich erstaunlich gewesen, dass sich so etwas so lange habe halten können. Danke an dieser Stelle nochmals untertänigst für das Medienecho! Nun hat das Magazin skug seit seinem ersten Auftrumpfen im Netz im fernen Jahr 2000 bereits 26 Jahre auf dem Online-Buckel und sich somit mit seinen 25 Jahren Printbetrieb selbst überholt.Â
skug ist also nicht mehr ganz jung und betreibt eine Art Publizität, die selbst zuweilen als »alt« gilt. Denn das Aufrechterhalten eines Redaktionsbetriebs verkommt zur Antiquität inmitten von Sozialen Medien und KI-generierten Inhalten. Selbstkritisch muss sich skug fragen, inwieweit wir für jenes schrumpfende Marktsegment produzieren, das überhaupt noch per Artikel, Rezension oder Interview reflektieren will. Die technologische Entwicklung geht in eine Richtung, die das Lesen beispielsweise eines Musik-Reviews weitgehend unsinnig erscheinen lässt. Denn warum sich nicht einfach vom Algorithmus eine Liste vorsetzen lassen? Wenn die gut klingt? Alles bestens! Wenn mir der Film gefällt, der mir von meinem Streaming-Anbieter als nächstes vorgeschlagen wird, warum nicht einfach in einem Haufen Popcorn im Sessel liegenbleiben, bis endlich wer aufräumt?Â
Ganz ehrlich: Aktuell weiß niemand, wie sich die Medienwelt entwickeln wird. Die Stimmung auf Branchentreffen ist seit geraumer Zeit apokalyptisch. Aber eines wissen wir: Die Arbeit macht uns immer noch Riesenspaß. Es macht Spaß, kleine Bands zu entdecken und zu rezensieren. Es macht Spaß, Newcomern eine Bühne zu geben, oftmals für ihr erstes Live-Konzert. Es macht Spaß, mit Aktivist*innen zu sprechen und zu merken, wie viele Menschen sich für eine bessere Welt einsetzen. Klar, wenn wir all unsere Ressourcen auf Social Media verwenden würden, wären unsere Follower-Zahlen höher und unsere Taschen voller. Aber bei emanzipatorischer Medienarbeit geht es letztlich auch darum, abseits technofeudalistischer Plattformen Räume zu eröffnen, freizuhalten und zu stärken. Das gelingt uns wie Orange 94.0. Im kleinen Rahmen, aber doch. Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung sind hierfür unersetzlich. Nur wenn Medien (und Kulturschaffende) einander unter die Arme greifen, ihre Arbeit gegenseitig feiern und zeigen, wie leer die Glücksversprechen von TikTok & Co sind, haben wir eine Chance, dauerhaft Gegenentwürfe offenzuhalten.
Radio und das gute Leben
Orange 94.0 hat sich dankenswerterweise bereiterklärt, dem Salon skug einen dauerhaften Sendeslot zuzusprechen. An jedem zweiten Sonntag jeden zweiten Monats erwartet euch jeweils von 19:00 bis 20:00 Uhr eine aufpolierte Version des »Salon skug on air«. Sie hat zwei Komponenten: Zum einen könnt ihr die Diskurspanels unserer Salons nachhören, geschnitten, gemastert und mit eigens aufgenommenen Anmoderationen kontextualisiert. Zum anderen bekommt ihr Live-Aufnahmen der Bands zu hören, die beim Salon skug auf der Bühne stehen – und damit oftmals die ersten Recordings, die es von diesen Musiker*innen überhaupt zu hören gibt. Denn wir verstehen den Salon skug als Sprungbrett.
Kultur ist ein Ökosystem: Ihr geht es nur gut, wenn viele verschiedene Gruppen zusammenwirken. Und das führt uns auch zum Thema unserer ersten Sendung: Die Entscheidung der Stadt Wien, im April 2026 die Freifläche in St. Marx zu räumen, gliedert sich in eine Reihe an bedauernswerten Entwicklungen und Förderkürzungen, die dazu führen, dass die Stadt zunehmend grauer wird. Darüber haben wir beim Salon skug am 21. April 2026 mit Aktivist*innen der Initiative St. Marx für Alle gesprochen. Und das gab es bereits am 14. Juni 2026 auf Orange 94.0 zu hören, gemeinsam mit Aufnahmen der Live-Konzerte von Maria Magdalena (Singer-Songwriter) und Alexa Lopez (Latin Folk, R’n’B). Es war ein Gespräch über Selbstorganisierung, Trauer und Wut. Es zeigte auch Folgendes: Wenn wir vom »Überleben« sprechen – sei es von Kulturprojekten, Nachbarschaftsinitiativen oder Medien – geht es auch um etwas anderes. Es geht um eine Idee des guten Lebens. Lasst uns diese Idee gemeinsam hochhalten.
Die erste Sendung ist jetzt online abrufbar unter: https://cba.media/781697Â
Kommende Sendungstermine 2026:
- • 9. August, 19:00–20:00 Uhr
- • 11. Oktober, 19:00–20:00 Uhr
- • 13. Dezember, 19:00–20:00 Uhr
Link: https://o94.at/programm/sendereihen/salon-skug-on-airÂ











