Muslim Shaggan © Wahid Photon
Muslim Shaggan © Wahid Photon

Spirituelle Versenkung in Wien Brigittenau

Muslim Shaggan ist eine Größe der Hindustani-Musik aus Lahore, Pakistan. Der aus einer 500 Jahre alten Musiker*innen-Dynastie stammende Meister der spirituellen Sufi-Musik-Poesie wird am 14. Juni 2026 um 20:00 Uhr im Café Henriette ein Konzert zelebrieren. Anlass für eine Vorschau.

Große Sensation im kleinen Club: das Gastspiel von Muslim Shaggan am Sonntag, dem 14. Juni 2026, um 20:00 Uhr (Einlass ab 19:00 Uhr) im Café Henriette in Wien Brigittenau! Peter Nachtnebel, Booker von Delta Punk, sorgt mit seiner Veranstaltungsplattform Mule Lord für einen Zwischenstopp auf der Tour des meistgeschätzten Sängers aus Pakistan. Die Fußball-WM kann einem gestohlen bleiben, hört mensch seine originäre Sufi-Poesie, die dank seines zarten Stimmschmelzes, begleitet von ihm auf dem Harmonium und einem Mitmusiker an der Tabla, eine spirituelle Feierlichkeit entfaltet.

Sufi-Musik als Healing Force

Muslim Shaggans Abstammung geht auf Bhai Mardana (1459–1534) zurück – einen Sideman von Guru Nanak, dem Gründer des Sikhismus im Punjab, in dem ein geschlechtsneutraler Schöpfergott verehrt wird. Diese Linie von Rababi-Musikern hat sich den nordindischen Gwalior-Stil für ihre Hindustani-Vokalmusik angeeignet. Die heutige indische Millionenstadt Gwalior war einst Wirkungsstätte von Tansen (1506–1589), der als Vater der nordindischen Musik gilt und am Hof des Mogulkaisers Akbar I wirkte. 

Als weltoffener Nachkomme saugt Shaggan die schillernde Vielfalt der Musikformen des indischen Subkontinents auf. Die sieben Lieder seines Debütalbums »Asar« (erschienen 2026 auf Honiunhoni) weisen eine große Bandbreite an Musikstilen auf: Khayal, Geet, Thumri und Kafi sorgen für eine einzigartige Mixtur und verströmen pure Magie. Aufnahmeorte waren der Garten eines Wohnhauses und Parks in der Millionenmetropole Karachi, die Meeresrauschen und Vogelgezwitscher nicht aussparen. Diese leisen Klänge sorgen für eine intime, kontemplative Atmosphäre – sozusagen kommt der Himmel Pakistans hernieder. 

Eine Lieblingszeile aus Shaggans gesungenen Sufi-Gedichte lautet: »Du sprichst davon, mein Herz zu verbrennen.« Der Autor dieser Zeilen fühlt sich gar an Nusrath Fateh Ali Khan erinnert. Diesen begnadeten Qawwali-Musiker live zu erleben, war eine Offenbarung. Sufi-Musik-Ekstase ist eine höchst spirituelle Healing Force. Somit sei das umtriebige Wirken von (auch skug-Autor) Peter Nachtnebel, dem Muslim Shaggan veranstalterisch reingerutscht ist, und Shaggans selig machende Musik mit einigen Fragen verknüpft.

skug: Muslim Shaggan in Wien Brigittenau … wie kam es zu diesem außergewöhnlichen Booking und welche Rolle hast du dabei gespielt?

Peter Nachtnebel: Es wurde dringend eine terminliche Brücke nach Budapest gesucht, um einen day off zu vermeiden. Ich bin quasi eingesprungen. Selbstverständlich finde ich Shaggans Musik berührend und wunderschön (und es ist auch mal was anderes für mich neben meinen monatlichen Noise-Rock- und Indie-Songwriter-Konzerten, die ich entweder gemeinsam mit Delta Punk oder unter der Marke Mule Lord veranstalte). 

Die sagenhaft spirituell einfahrende Musik der Sufis scheint im Plattformkapitalismus-Zeitalter etwas versunken. Rein vom Spielort her müsste Muslim Shaggan zumindest in einer Venue wie der Sargfabrik auftreten. Dass er mit einem Bentley ins bescheiden große Café Henriette gebracht wird, gilt wohl als Hinweis auf seine Berühmtheit in Pakistan?

Das kann man so interpretieren. Für die pakistanische Botschaft in Wien ist das Konzert eine große Sache und sie unterstützen es auch brav. Die Henriette hat sich aufgrund der knappen Zeit als Veranstaltungsort ergeben. Das Konzert fällt mitten in die Fußball-WM, wo einige Konzert-Venues weniger, manche gar keine Konzerte veranstalten. Auch mag ich die Henriette einfach als Ort sehr. Dort herrscht noch wahrer Indie-Spirit. Es gibt keine überteuerten Mieten, einen engagierten Betreiber und ein dankbares Publikum. 

Ohne finanziellen Support durch die pakistanische Botschaft würde das Wien-Konzert wohl nicht möglich sein?

Direkten finanziellen Support gibt es keinen, aber die Botschaft unterstützt das Konzert auf materieller Ebene, übernimmt Übernachtungen, den Transport usw.

Noch zu dir als Booker, neuerdings, passend zum Spirit deines Juni-Live-Acts Muslim Shaggan nennst du dich als Veranstalter Mule Lord. Bitte gerne um Schilderung deiner persönlichen Konzert-Highlights!

Den Namen Mule Lord hat mir Phil Shoenfelt, ein altgedienter »Aussie Blues«-Musiker (er selbst ist Brite), mal als Spitznamen verpasst (dazu gibt es natürlich eine Geschichte …) Daraus wurde in meinem näheren Umfeld ein running gag. Vor zwei Jahren dachte ich mir, das wäre eigentlich ein guter Name für eine Booking-Agentur, die Anfang 2026 zu einer lokalen Veranstaltungsplattform mutierte. Ein persönliches Highlight war Simon Joyner (nicht zu verwechseln mit dem Komponisten gleichen Namens), der verschlafene Cousin von Souled American, falls die noch wer kennt. Die beste Entschleunigungsmusik, die ich mir gerade vorstellen kann. Gerade hat er eine neue Platte herausgebracht. 

Link: https://www.cafe-henriette.at/event-details/live-lord-mule-presents-muslim-shaggan-trio-pakistan 

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