Die Provinz ist als Brutstätte aller möglichen Gemeinheiten schlecht beleumundet. Fern urbaner Zentren, die mit Fortschritt, Weltoffenheit, Diversität und Modernität in Verbindung gebracht werden, steht sie in der allgemeinen Wahrnehmung als unheimlicher Hort der vernagelten Existenz. So gesehen fällt unter den Tisch, dass in Regionen abseits von Ballungszentren, die für viel Zerstreuung sorgen können, Ruhe herrscht, die konzentriert genutzt werden kann. Ganz ohne Ablenkung kann man hier eigenbrötlerisch seinen Neigungen mit Muße nachgehen. Darüber hinaus verbinden Glasfaserkabel die kleine mit der großen Welt und stellen so Verbindungen unter Gleichgesinnten her. Unter diesen Voraussetzungen beschäftigt sich Alexander Moeckl in der bayrischen Idylle schon seit vielen Jahren mit Musik und veröffentlicht u. a. Instrumentals für offen gestimmte akustische Gitarre, die fern der Heimat eher Beachtung findet als in der Lokalpresse. Alben von ihm wurden in der britischen Musikzeitschrift »Wire« vom renommierten Underground-Journalisten Byron Coley besprochen und wenn es sich ergibt, spielen auf Initiative des Sonderlings in »Augschburg«, wie man vor Ort sagt, stilistisch nahestehende internationale Vertreter*innen des musikalischen Genres; Eric Arn etwa oder D.C Cross, Son of Buzzi und Joseph Allred. Für das ungeübte Auge vielleicht unsichtbar, hängt also natürlich alles zusammen bzw. findet zusammen, was zusammengehört. Wahlverwandtschaften beleben die Provinz. Zur Einordnung der Kompositionen von »Inspiravit Lux« sind solche untergründigen Verbindungen hilfreich, um ein angemessenes Verständnis davon zu entwickeln, wo diese Musik herkommt und an wen sie sich richtet. »Er/sie/es hauchte Licht ein« lautet der Titel des Albums übersetzt und thematisiert die Quellen, die das Dasein im provinziellen Dunkel erhellen. Dieses Licht geht nicht nur von der Sonne aus, sondern auch von Fixsternen des Fingerstyle-Genres, deren Strahlkraft Moeckl inspirieren. John Fahey, Robbie Basho, Jack Rose, Glenn Jones … so heißen einige der in Fachkreisen einschlägig bekannten Stars, deren kreatives Leuchten einer größeren Öffentlichkeit zumeist verborgen bleibt. Alexander Moeckl erhellen sie die dunkle Nacht seiner Seele und er entzündet mit seinen Kompositionen sein eigenes kleines Licht, das er auch nicht unter den Scheffel stellen muss. Die vierzehn Titel auf »Inspiravit Lux« können überall dort auf offene Ohren und Begeisterung stoßen, wo die bisher genannten Namen ohnehin bekannt sind und der Appetit auf neue Musik für akustische Gitarre nicht nachlässt.
Alexander Moeckl
»Inspiravit Lux«
Self-release
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