Interstellar Records Gigaldi
Gigaldi

»Aire«

Interstellar Records

Der Multiinstrumentalist und Klangtüftler Gigi Gratt alias Gigaldi legt mit »Aire« sein zweites Album auf Interstellar Records vor. Eine passende Gelegenheit, um den zwanzigsten Geburtstag des von Richie Herbst betriebenen Labels zu feiern: Happy Birthday, Interstellar! Sowohl beim Label als auch bei Gigaldi verbünden und bündeln sich die positiven Kräfte, die es überhaupt erst ermöglichen, solche Projekte umzusetzen und am Laufen zu halten: DIY, stilistische Vielfalt, Mut zum Experiment. Eine No-Bullshit-Policy, deren kleinster gemeinsamer Nenner lautet: gute Leute, gute Musik. Dass Gigaldi gerne mal fünf, sechs selbst eingespielte Instrumentalspuren übereinanderschichtet, ist nicht neu. Allerdings fügt er diesmal in der ersten Hälfte von »Aire« auch noch experimentelle Wortspiele hinzu. Das jandelt streckenweise etwas holprig – freilich auch in bewusstem Kontrast zur fließenden Trompetenmelodie des Titeltracks –, handelt aber auch von Fundamentalem wie dem bedingungslosen Grundeinkommen. Für die zweite Hälfte des Albums, das gut viertelstündige »Afrotopia«, hat sich Gigaldi freundschaftliche Unterstützung geholt. Die vier Tracks seines 2017 erschienenen Debüts »Das ganze Doppelalbum« hatte er den vier Jahreszeiten gewidmet. »Afrotopia« hingegen lässt zyklische Zeitvorstellungen ebenso wie die Re-Normalisierungsnarrative der pandemischen Gegenwart vergessen und öffnet sich einer Zukunft, die sich auf keinen Tunnelblick – sei’s mit oder ohne Licht am Ende – festlegen lassen will. Bernhard Breuer (Elektro Guzzi, Tumido) liefert polyrhythmischen Afrobeat, über den Gigaldi Bass, Gitarre und Flügelhorn legt. Dazu gesellt sich Georg Schwantners (Romanovstra) Baritonsaxofon. Das repetitive Grundmuster wird von Magdalenkas (Vabrassmas) Chants verstärkt. Und auch Richie Herbst bringt einen seiner Analogsynths wohlig zum Brummen. Das Highlight des Albums darf als gelungene, respektvolle Solidarisierung mit Afrotopischem gehört werden, die – wie im vorliegenden Fall – eben auch von Ottensheim, Oberösterreich, ihren inspirierten Ausgang nehmen kann.

Home / Rezensionen

Text
Peter Kaiser

Veröffentlichung
28.09.2021

Schlagwörter

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