Zwischen Sonne und Regen

Die sonnige Seite des Lebens: Im FRENCH CAF?? (Putumayo/Hoanzl) treffen einander so illustre Gäste wie Serge Gainsbourg und die Chansonlegende Barbara (»Si La Photo Est Bonne«).

Interessant am FRENCH CAF??-Sampler ist die Mischung aus klassischen Chansonsängern – Jane Birkin und Georges Brassens – und dem Nachwuchs des Genres: Mathieu Boogaerts verbindet die Urbanität von Paris mit leichtfüßigem Reggae. Anspieltipp ist die junge Sängerin Claire Clement aus Lyon, die mit Françoise Hardy durchaus mithalten kann und mittels Gitarre und Trompete entspannt-latineske Barclub-Atmosphäre verbreitet – insgesamt eine wunderbar unaufgeregte CD.
Wem das französisch vorkommt, der kann es sich ja in der SAHARA LOUNGE (Putumayo/Hoanzl) bequem machen: So heißt die jüngste Putumayo-Kompilation afrikanischer Musik nach dem schönen African Groove-Sampler letztes Jahr. Zwischen Libanon und arabischer Halbinsel mischen DJs alles zusammen, was die Region musikalisch hergibt – und das ist einiges: Arabische Saiteninstrumente, Akkordeons und die Stimme der libanesischen Sängerin Nabiha Yazbeck. Clubbig kühl und wüstenheiß!
Schon wieder Frankreich: Aus der ehemaligen französischen Kolonie Guinea kommt die Band BA CISSOKO, die jungen Musiker um den gleichnamigen Bandleader verwirklichen ihre Verbundenheit mit Griot-Traditionen ihrer Heimat in Marseille. Auf »Sabolan« (Marabi/Ixthuluh) treffen in schwindelerregendem Tempo Djemben, Kalebassen und Congas aufeinander, die Koras sind zum Teil sogar elektrisch verstärkt und klingen wie E-Gitarren. Das Stück Taouyah mischt Reggae- und Latinogedanken. Ein großartiges Debüt!
Von der Küste hinaus aufs Meer: Dort liegen die in der Worldmusic inzwischen bestens bekannten Kapverdischen Inseln. Diese Bekanntheit ist insbesondere der Sängerin CESARIA EVORA verdanken: Deren neue Live-CD »L’Olympia« (Melodie/Ixthuluh) wurde im gleichnamigen Club in Paris aufgezeichnet. Evoras klare Stimme scheint im Raum zu schweben, unterstützt wird sie dabei von sehr guten Mitmusikern wie Paulino Vieira (Piano, Akkordeon) und Armando Tito (Git.). Eine CD, die die Wartezeit bis zum nächsten Live-Konzert von Evora verkürzen hilft – ein Extraplus gibt es für den technisch wirklich hervorragenden Mitschnitt, der dem Können der Akteure gerecht wird.
Auf der anderen Seite des Atlantik ist der Perkussionist AIRTO MOREIRA zu Hause: »Life After That« (Narada/EMI) ist ein Werk, in dem sich die Spielfreude Moreiras und seiner Musiker entlädt: Das gemeinsam mit Giovanni Hidalgo komponierte »Hala, Tumba And Timbal« rast unglaublich dahin. Rhythmen aus Bahia finden sich hier ebenso wie ein Akkordeon, die brasilianische Trommel pandeiro und ein Didgeridoo (»Redland«) – und natürlich ist Moreiras Muse und Lebensmensch Flora Purim als Sängerin dabei – schön.
Zum Abschluss noch ein Abstecher nach Australien: CLANN Z?? nennt sich diese Band aus Melbourne, die auf ihrer Debüt-CD »>rua« (Zahrada) Ungewöhnliches probiert – die Verschmelzung von irischen Musikwurzeln mit Elektronik und Rock. Herausgekommen ist ein psychedelisches Werk, geeignet für die verregneten Tage am Ende des Winters, an denen schon manchmal die Sonne scheint.

>> www.ixthuluh.com
>> www.putumayo.com
>> www.emimusic.at