Burnt Friedman

»Zokuhen«

Nonplace

Vor über zehn Jahren schickte mir ein ehemaliger Mitbewohner aus Edinburgh als Geschenk eine Mütze mit CDs nach Wien. Darunter befand sich auch eine von Burnt Friedman und Jaki Liebezeit. Die eigenwillige Verpackung trage ich an kalten Tagen immer noch und auch Friedman und Liebezeit gingen nicht verloren. Nach einer Reihe von gemeinsamen Veröffentlichungen unter dem Titel »Secret Rhythms 1-4« ab 2002, rückte Friedman mit der 2010 erschienenen 12“ mit dem Titel »5 7« zunehmend in den Vordergrund. Während Liebezeit hier noch für die Drums verantwortlich ist, so scheint er auf Friedmans beiden Alben des Jahres 2012 nur mehr unter ferner liefen in den Liner Notes auf. Sein Einfluss auf die Arbeit Friedmans ist allerdings immer noch sehr präsent. Friedman selbst erklärte in einem Interview, dass »Zokuhnen« mehr eine Weiterentwicklung des im Frühjahr 2012 erschienenen Albums »Bokoboko« sei, und weniger ein Nachfolger im klassischen Sinn. Konsequenterweise enthält die neue Platte auch zwei überarbeitete Stücke der letzten. Doch worin besteht nun die Weiterentwicklung seines Sounds, einem Projekt, das zwar rhythmisch stets interessant bleibt, bisweilen aber doch ein wenig auf der Stelle zu treten scheint? Der Grat zwischen konsequenter Ausformulierung und einem Mangel an Weiterentwicklung eines Sounds ist schmal. Es spricht aber für Friedman, dass er sich dieser Frage überhaupt stellt. Im direkten Vergleich von »Denku No Bo«, einem Track der sich auf beiden Alben findet, ist die ?berraschung gro&szlig, denn die Gemeinsamkeiten fallen erst nach und nach auf. Bald erscheint die ältere der beiden Versionen wie eine Dubversion, den Beat sehr im Hintergrund gehalten und verhallt. Im Gegensatz dazu wird die neue Version von den viel schärferen Drums dominiert. Die Betonung des Beats zieht sich durch das gesamte Album und man erkennt im Unterschied zu früher eine subtile Verschiebung des Sounds in Richtung Club. Nur ganz selten geht diese Transformation schief, nämlich dann, wenn Friedman den Beat zu sehr in Richtung Post-Dubstep-Kompatibilität modelliert, wie bei »Kon Ki«, wo er zu allem ?berfluss noch ein schwer erträgliches Gitarrenmotiv einbaut. Zum Glück bleibt dieser Track aber die Ausnahme und »Zokuhnen« ist ein mutiges und tolles Album.