Built To Spill

»You In Reverse«

Warner

Da hat sich wer Zeit gelassen. Ganze fünf Jahre sind seit der mauen Stagnation von »Ancient Melodies of The Future« vergangen. BTS haben ihre Rolle als Indierock-Könige der ausgehenden 90er schon lange hinter sich gelassen, Doug Martsch hat eine sehr gute Solo-Platte (»Now You Now«) gemacht und kehrt nun mit BTS zurück, als ob sich seither keine Franz Ferdinand- und Strokes-Revolutionen in der Indie-Hype-Ecke getan hätten. »You In Reverse«. Tief durchatmen. Der Opener dauert geschlagene 8:42, was uns klar macht, dass sie wieder eher um Weite buhlen. Das Epos steht wieder in Form von tongewordenen Gitarrenschlangen, dröhnendem Basskraut, vollbärtiger Stimme und perfekt eingespielter Rhythmussektion vor uns. Klar – niemand will das eigentlich grad. Niemand wünscht sich ein zweites »Perfect From Now On« zehn Jahre später. Aber BTS schaffen es trotzdem ihre Stärke, ihr Misstrauen dem Song gegenüber, in so tolle Hooklines zu packen, dass die Länge der Stücke tatsächlich keine Rolle mehr spielt. Was es zu einer verdammt guten und wichtigen Rockplatte für diesen Sommer macht, weil sie Erinnerungsarbeit leisten kann für Erinnerungen, die eigentlich grad tabu sind.