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Eine Enklave der musikalischen Einarbeitung osteuropäischer Einflüsse hat sich in Südnorwegen gefestigt. Auf gute Nachbarschaft! Die Wurzeln der Formation rund um den Regisseur Pål Jackman (»Detektor«) breiten sich wie jene von Kaizers Orchestra bei Stavanger aus. Beide Gruppen beteuern, sich trotz der räumlichen Nähe vom anderen unwissend selbständig in diese Richtung verwickelt zu haben und klanglich in sich zu ruhen. Obwohl sich aus den selben Quellen bedient wird und beiderbands der Grundton drastisch-dramatisch gehalten ist, sind die Differenzen tatsächlich nicht rein sprachlicher Art (Norwegisch vs. Englisch). Im bisherigen Gegensatz zu Kaizers Orchestra herrscht bei Wunderkammer die thematische Ungebundenheit. Auch wagen sie sich an Vertonungen bekannten Dichtwerks, welche auf die Höhepunkte der Alben gesetzt werden. Am selbstbetitelten Tonträger rotzt Jackman den »Erlkönig«, E.A. Poe verdüstert beide Werke, Dylan Thomas‘ »Do Not Go Gentle Into That Good Night« bettet sich in »Today I Cannot Hear Music«. Das Verweisen auf die Endlichkeit ist stärker mit Wehmut versetzt, Übergänge im Vergleich durch schwingende Geigenbögen abgesanftet. Im kräftigen Dunkel der Cover reiht sich Miniaturinstrument an Säge und seziertes Kriechgetier – als Warnung, dass Wunderkammer keinen Durchschnittsbrei vorlegen.

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Text
Bernadette Karner

Veröffentlichung
22.10.2003

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