Buck Gooter

»Witch Molecules«

Beau Travail

Menschen, die Platteninfos verfassen, werden wohl nie einsehen, dass die Anhäufung wichtig klingender Referenzbands ein Rohrkrepierer bleibt, solange die dazugehörige Musik die ihr aufgebürdeten Vergleiche nicht mal ansatzweise einlöst. Buck Gooter aus Harrisonburg, Virginia, spielen okayen, aber weitgehend sensationsfreien Noiserockblues, semi-ätzend und semi-kaputt, wie wir das von diversen »klingt wie…«-Bands des angelaufenen Jahrtausends bereits kennen und erwarten. Hierin die versprochene Paarung der Urinals mit Throbbing Gristle auszumachen, reicht für meine musikpornographische Fantasie allerdings nicht aus. Das suggestive Speeddating klangvoller Namedrops verstellt nicht nur den historischen Gehalt der Herbeihalluzinierten (deren Musik ja nicht aus dem Kaugummiautomaten der gepflegten Antipop-Kompetenz kam, sondern eine Reaktion auf historische Bedingungen darstellte), sondern ebenso das, was eine Platte oder Band möglicherweise leistet. Buck Gooter haben TG und die Urinals ganz bestimmt auf Facebook geliked, aber wo steckt das sensationell Neue, von dem andere Rezensionen schwärmen? Mir kommt das alles ausgesprochen genretypisch vor. Chrome meets Flipper ist daher noch das Genaueste, was der Waschzettel vorzuschlagen hat, obwohl auch die eher Sternbilder sein dürften, an denen sich Buck Gooter ungefähr orientieren, wo sie wiederausgemottete Black-Sabbath-Riffs der frühen 1990er (bekannt aus Grunge und Musikfernsehen) noch mal besonders ausdruckslos und dumpf durch moderat bedrohliche Soundscapes torkeln lassen. Letztere erinnern wiederum eher an kalifonischen Synthpunk etwa von Nervous Gender (die kennt bloß keiner, also schreib lieber Throbbing Gristle). Manchmal ergibt das einen durchaus reizvollen Kontrast (jedenfalls jenseits von Zimmerlautstärke), mich stört aber, dass der etwas altbackene Nichtgesang die Grundidee nicht vermitteln kann, die sich in der Aktualisierung des elektrifizierten Blues (als Noiserock avant la lettre) andeutet. Wie hieß das damals, als Plattenrezensionen noch nicht alles bedingungs- und grundlos gut finden mussten? Könnte noch was werden …