Weltrekord im Wiener Konzerthaus!

Die unglaubliche rumänische Tanzmusik-Combo Taraf de Haïdouks absolvierte im Wiener Konzerthaus einen Auftritt in Höchsttempo und brachte dem staunenden Wiener Publikum rumänische Volksmusik näher.

1989 stießen zwei musikliebende belgische Touristen auf ein paar Musiker aus dem kleinen rumänischen Dorf Clejani. Bis dahin waren die »Lautari«, wie die Musiker in dieser Region heißen, noch nie außerhalb ihrer dörflichen Umgebung aufgetreten. In dieser Abgeschlossenheit führten sie eine musikalische Tradition fort, die noch im 18. Jahrhundert weit verbreitet war: Jene der »Hochzeitskapellen«, die von Dorf zu Dorf zogen, Neuigkeiten überbrachten und neben Eheschließungen auch Taufen und Begräbnisse musikalisch umrahmten.
Seit einigen Jahren jedoch ist es mit der dörflichen Idylle vorbei: Taraf de Haïdouks, wie sich die vierzehn Musiker zwischen 20 und 78 Jahren nennen, gelten als die Sensation der Weltmusik-Szene. Die Haïdouken waren das ungarisch/rumänische Pendant zu Robin Hood und seinen Sherwood-Mannen: Räuber, die Großgrundbesitzer ausplünderten, um die Beute an die armen walachischen Bauern zu verteilen. Ein Orchester wahrer Rebellen also, das mit verzaubernder Musik, herzzerreißenden Melodien und verwegenen Rhythmen erfolgreich Widerstand leistet.

Im Wiener Konzerthaus ging es sofort mit dem Weltrekordversuch los. Die Antwort auf die Frage, wer rumänische Volksmusik am schnellsten spielen kann, ist somit geklärt: Taraf de Haïdouks.
Dank des Bassisten kam zuweilen sogar Blues-Stimmung auf, die Kombination aus Hackbrett und Violinen evozierte Gedanken an Saloonpianos und Banjos: Appalachen statt Walachei? Die unglaublich flinken Finger des Flötisten Gheorghe Falcaru hielten das selbst eingeschlagene Höllentempo den ganzen Abend lang. Den Cowboy, der da noch die Beine im Rhythmus in die Höhe tschundert, kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen – das können wahrscheinlich wirklich nur die Rumänen.
Als der wohlbeliebte Violinist seinen Körper tanzend über die Bühne wuchtete, gab es – wie bei anderen Sportveranstaltungen auch – zurecht Szenenapplaus. Gheorghe Falcaru wusste, dass er sich auf Weltrekordkurs befand und bedankte sich nach jeder Nummer überschwänglich – aber dennoch sympathisch – gerade so, als würde er es bis zur Zwischenzeit der nächsten Nummer nicht mehr schaffen.
Dann lagen sogar die Hackbretter in Führung, am Ende war aber klar, dass es letztlich nur einen Gewinner geben konnte – das Publikum und damit Österreich, noch besser: Europa! Tourende Altherren-Combos sind ja inzwischen auch auf unserem Kontinent ein gewohntes Bild. Die rumänischen Hinterwäldler trugen kurze aber dafür breite Krawatten aus den 70er Jahren. Sie rückten Europa ein Stückchen näher zusammen und machten klar, dass hinter den sieben Bergen auch noch jemand wohnt.

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