Irène Schweizer

»Welcome Back«

Intakt Records

Darf man das eigentlich? Sich so bedingungslos in die Vollen schmeißen? Ohne jeden Genierer davor, dass die Spiellaune beizeiten durchprescht, als hätte man einem Pferd die Sporen geben? Nur dass das liebe Pferdchen ein ehernes Jazzherz besitzt und in seinem Galopp quer über die Felder von Swing bis postatonalem Jazz braust und dabei mal perkussiv entfesselt in der Geraden bleibt, dann wieder harmonisch wild wuchernd bockt und Volten schlägt? »Welcome Back« ist eine Duoeinspielung der Schweizer Pianistin Irène Schweizer und ihres schlagwerkenden Landsmannes Han Bennink, beide Urgesteine der europäischen Jazzszene mit reichlichen Berührungspunkten zu amerikanischen KollegInnen. Man bräuchte aber weder die Verdienste noch die riesige Reputation von Schweizer und Bennink erwähnen, man muss nur reinhören in diese übrigens erst zweite Kooperation der beiden: »Welcome Back« ist wie ein lexikalischer Ausflug in den Jazz, heruntergebrochen auf eine virtuose Duoleistung, bei der das jahrzehntelang gereifte Können mit unbändiger Spielfreude funkelt und zugleich sämtliche Abgrenzungswälle zwischen den verschiedenen Jazzepochen einfach ignoriert werden. Nein, diese Wälle werden wie ein – eben – Pferdchen spielerisch übersprungen, so dass schon fast ein Hauch Persiflage mitschwingt. Oder um es in Referenzen zu sagen: hier wird ein Bogen von Thelonious Monk bis zu Cecil Taylor gespannt, mit der Lässigkeit und Straightness eines Horace Silver paraphrasiert und dann wiederum perkussiv heruntergebrochen auf afrikanische Minimalismen, ohne dabei je an Raffinesse einzubüßen. Die reine Hörfreude für Fans also.