Foxygen

»We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic«

Jagjaguwar

Are We The 21st Century Ambassadors Of »Retromania«? Ist die Popmusik nur mehr ein Spiegelbild ihrer eigenen Vergangenheit? Nachzuschlagen bei Simon Reynolds, oder eben bei Foxygen. Diese sind wie ein komprimiertes Spiegelbild an Musikgeschichte, pfeifen auf die Retropolizei und das gekonnt zu den Takten von VU & Nico’s »I’ll Be Your Mirror«. Die beiden Kalifornier Sam France und Jonathan Rado haben im Vorjahr ihr Debüt »Take The Kids Off Broadway« veröffentlicht, ein letztlich doch recht mittelmäßiges Spiegelbild verquerer Reminiszenzen an die 1960er und -70er. Der Nachfolger geht einen Schritt weiter und bietet zusehends eingängige Melodien mitsamt einer noch umfassenderen Fülle an Zitaten, Anlehnungen und Ähnlichkeiten: Wer denkt beim Refrain von »On Blue Mountain« nicht an Elvis‘ »Suspicious Minds«? In diesem Lexikon an musikalischen Einflüssen (von A wie Animals bis Z wie Zombies) wird jedoch nicht bloß gefladert und kopiert, sondern perfide umgearbeitet und lausbübisch transformiert, ohne dabei jeglichen Input zu verheimlichen. So ist »San Francisco« näher bei Phil Spector als bei Scott McKenzie angesiedelt und beschreibt »California Dreamin’« als eine Art Coming-Of-Age, wo (The) Mamas & (The) Papas biedere Musikerziehung zusehends dem Einfluss vom (nur vergleichsweise) coolen Onkel Mick Jagger weicht. Letzterer sickert gleich an mehreren Stellen durch, wie etwa als leicht weggetretener Pferdeflüsterer beim Song »No Destruction«, einem fast schon dylanesk angehauchten »Wild Horses« in Lou Reed-Midtempo. Die Sgt. Pepper-Trompeten im Opener »In The Darkness« sind hingegen eine meditative Ûbung zur Bewusstseinserweiterung, »Shuggie« eine von Ray Davies gesungene Hommage an den großen Shuggie Otis, während Marc Bolan im Vorbeigehen »Oh Yeah« schreit. Soweit, so großartig. Wir sehen uns bei den »Album des Jahres«-Bestenlisten für, man glaubt es kaum, 2013. Einstweilen schöne Grüße aus der Referenzhölle!