Wang Inc.: We're on the road to somewhere

Der Italiener Bart Seiler aka Wang Inc. hat auf seinem zweiten Album »Woods Roads« musikalische Reiseerinnerungen durch die Wälder des amerikanischen Nordwestens eingefangen und macht daraus veritable DJ-Tools mit Endlosrillen für den endlosen Mindtrip.

Wang Inc. ist der aus Vipiteno in Südtirol stammende Bart Sailer. Seit 1991 lebt er in Bologna und produziert dort elektronische Musik. Als Wang Inc. liebt er es, kleine Melodien so »tricky« zu komponieren, dass man gezwungen ist, in die Tracks hinein zu fallen. Den Rest erledigen die feinen Beats, die so gesetzt sind, dass sich Wangs Musik jeder Kategorisierung widersetzt. Unter der Oberfläche wuselt es, die gebrochenen Rhythmen purzeln durcheinander, der Pocket-Calculator spuckt Sounds aus, die er beim letzten Besuch in verrauchten Spielhallen aufgeschnappt hat. Als professioneller Musiker ist es für ihn kein Problem, zwischen abstrakten Soundflächen und tanzbaren Grooves hin und her zu pendeln, Jingles für MTV-Italien zu basteln oder mit Musikern wie bevorzugt Kit Clayton, Funkstörung oder Thomas Brinkmann zu spielen.
Letztes Jahr absolvierte er eine umfangreiche USA-Tour, dazwischen ist er immer wieder gerngesehener Gast bei Festivals und Konzerten zwischen Wien, Brüssel und Athen. Er hat gerade seinen zweiten Longplayer »Woods Roads« veröffentlicht. Wang Inc. hat bisher auf deutschen, amerikanischen und französischen Labels unterschiedlichstes Material herausgebracht, Vieles davon im DJ-üblichen 12″-Format. Das kommt auch daher, dass er seine geistige Homebase in der DJ-Community rund um den legendären Club »Link« in Bologna aufgeschlagen hat.
Wang Inc. legt darauf Wert, dass seine Musik zum Nachdenken anregt. Bart Seiler versteht sich als sozialbewusster Mensch, dem seine Umwelt und die Menschen wichtig sind. Dass es ihm damit ernst ist, zeigt sich allein schon daran, dass »Woods Roads« beim amerikanischen Label Context.fm erschienen ist, wobei »fm« eben für »free media« steht. Im Interview macht er klar: »Wenn Grenzen zerbrochen werden, bin ich immer zufrieden.«

Interview:

Wie entstand deine neue Platte?
Das Album »Woods Roads« ist nach einer Konzertreise in die USA entstanden. Ich war 15 Tage auf einem Roadtrip durch die amerikanischen Wälder im Nordwesten. Die Atmosphäre der Sequoia-Wälder hat mich sehr begeistert und ich habe probiert, diese Begeisterung in Musik umzusetzen. »Woods Roads« versteht sich als Album für die Umwelt, als Alternative des Friedens der Wälder zur lärmenden Stadt. Die ausgekoppelte 12″ »The Premixes« beschreibt indes diese Atmosphäre mit einem städtischen Blick. Sie ist auf den Dancefloor hin produziert und eignet sich mit fetten Beats und Endlosrillen gut als DJ-Tool. .

Wenn du es dir aussuchen könntest, mit wem würdest du gerne einmal zusammen musizieren?
Ich bin gerade dabei, mit dem Wiener Musiker Ulrich Troyer ein Jazz-Projekt zu entwickeln. Wenn ich träumen muss dann würde ich gerne mit Madonna oder Bjork arbeiten.

Wie lebt man in Italien, wenn man Elektronikmusik macht?
In Italien ist es sehr schwierig, Konzerte zu bekommen. Italien ist ein von Platten-Majors dominiertes Pop-Rock-Land. Die Arbeitsbedingungen sind sehr hart. Das mag der Grund sein, warum Kollaborationen nur zäh zustande kommen.

Siehst du dich als politischen Menschen?
Ich probiere immer, politisch mit meiner Musik zu sein. Ich habe auch Songs gegen den Krieg im Kosovo und im Irak letztes Jahr veröffentlicht. Das Stück »Chain Worker« von 2003 handelt von einem Arbeiter, der für eine große Kette arbeitet. Er muss einen Anzug tragen und immer freundlich zu den Leuten sein, auch wenn er total unterbezahlt ist und keine Arbeitsrechte hat. Auf »Woods Roads« gibt es die Nummer »We are going backwards«: Es beschreibt den Rückfall, den die Gesellschaft auf den Gebieten des Rechts und der Umwelt in den letzten Jahren macht.

Wie siehst du die Veränderungen in Europa nach dem 1.Mai 2004 mit der „EU-Osterweiterung“? Inwieweit sind Musiker davon betroffen?
Wenn Grenzen zerbrochen werden bin ich immer zufrieden. Leider passiert das viel zu oft nur auf einer ökonomischen Basis. Mann muss mehr mit kulturellen Aspekten arbeiten. Ich denke, dass elektronische Musik dazu viel beitragen kann: Sie ist eine universelle Sprache, die keine Übersetzung braucht und die überall produziert werden kann.

Wang Inc. ist am 7.Mai 2004 im Kunsthalle Project Space am Wiener Karlsplatz zur Album-Release-Party (http://pocketbeats.net/?page=dates)

Wang Inc.: Woods Roads. Erschienen auf Context.fm. Vertrieb: Kompakt.
Wang Inc Homepage: www.wanginc.it
Context.fm: www.context.fm/wang.html
Kompakt: www.kompakt-net.de