Jung An Tagen

»Vielheiten«

Feathered Coyote Records

Es erfordert einige Mühen den identitären Irrwegen des österreichischen Musikers Stefan Kushima zu folgen. Unter ständig wechselndem Namen tauchen seine Releases auf Labels wie Not Not Fun, Blackest Rainbow oder Ikuisuus auf. Das Virtual Institute Vienna ist seit einiger Zeit Homebase seines neuen Projekts Jung An Tagen und fungiert als laboratorische Hintergrundkulisse für die diversen synästhetischen Produktionen des Künstlers. Der erste Albumrelease »Vielheiten« lässt schon im Namen Referenzen an mathematische Mengenlehre und arithmetische Geometrie anklingen. Tatsächlich handelt es sich um reduzierte polyrhythmische Bewegungsstudien, die aus feinteiligen Acid-Synthloops und Hi-NRG Beats Mikrodramaturgien konstruieren. Bisweilen erinnert das an witzig-karge Cembalo-Miniaturen. Unterbrochen werden die rhythmischen Experimente von liquiden, melodischeren Sequenzen, die aus den Permutationen funkelnde und mitunter tanzbare Collagen schichten. Fazit: Wer Spaß daran hat, als Kugel auf Acid durch ein Jump-and-Run Spiel dirigiert zu werden, der sei willkommen in dieser Pinball Arcade. Elegantes und synapsenerregendes Kleinod.