Ziúr

»U Feel Anything?«

Objects Limited

Ziúr ist Mitbegründerin und Resident DJ im Berliner Boo-Hoo-Club (meist im Südblock), Brutstätte räudiger Sounds weit jenseits von Techno, die in ihrer Komplexität sowohl Reduktion als auch Vielschichtigkeit erkennen lassen. Der experimentelle Electronic Dance Underground bringt immer mehr Frauen hervor. Gut also, dass das Debütalbum auf Objects Limited herauskommt, dem Label von Lara Rix-Martin, die konsequent nur Frauen und genderqueere Personen fördert. Auf »U Feel Anything?« ist die Konstruktion erstaunlicher Klangarchitekturen zu genießen, was definitiv erbaulich ist, obwohl viele Widerhaken in Kauf zu nehmen sind. Mit »Human Life Is Not A Commodity« startet das großartige, Heavy-Listening-Stuff bietende Album. Auch der darauf folgende Titelsong und »Soaked« liefern mannigfaltig perkussive Detonationen auf dem Weg zur Offenbarung. Und auch im dritten Track »Body of Light« bleiben diese getriggerten, explosiven Drumsounds präsent, halten sich aber, wenngleich auffällig, im Hintergrund. Dazu schleichen sich liebliche, fernöstlich schimmernde, gebrochene Synth-Melodien in die Ohren, werden tiefe Bässe geschraubt und die zusätzlich extravagant verzerrte und manipulierte Auto-Tune-Stimme von Aïsha Devi beamt in ein Entrücktheitsstadium. Ziúr setzt ähnlich Jlin Maßstäbe im perkussiv-harten Sample-Dehnen, kommt aber hörbar nicht aus einem Juke-Umfeld. Besonders wüst gerät »Don’t Buy It«, also muss darauf wieder ein zugänglicheres Stück folgen. Auch »Laughing And Crying Are The Same Things« setzt auf Gesang, doch hier klingen die Vocals der schwedischen Pop-Chanteuse Zhala weniger extrem verfremdet. Das Gegensatzpaar Lachen/Weinen meint: Wohlklang und Noise schließen einander nicht aus, sondern machen das Werk wirkmächtiger. Also strotzt der nur wahre Gourmets erfreuende Track voller vertrackter Stakkatos und frei streunender Beats. Danach geht es wieder um einiges martialischer zu, was genaues Zuhören erfordert, um einen Mehrwert gewinnen zu können.