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Tribe

»Hometown: Detroit Sessions 1990–2014«

Strut/!K7/Hoanzl

Mit Jazz konnte man immer Geld verdienen, zumindest so viel, dass man davon leben konnte. Was man brauchte, abgesehen von guter Musik: Auftritte, Studios, Labels, Vertriebe, Marketing … Aber Tribe sollte mehr sein als all das. Tribe wollte wie andere »Independents« zu Anfang der Siebziger alles zugleich sein: ein Kollektiv, eine Jazz-Schule, Kommunikation, ein eigenes Magazin herausgeben … Tribe war in Detroit das, was Black Jazz Records in Oakland waren, Strata-East in New York, Nessa in Chicago. Tribe waren ursprünglich (ab 1971) ein Kollektiv um Wendell Harrison (Saxophon, Klarinette), Phil Ranelin (Posaune); etwas später (1977) kamen die inzwischen verstorbenen Marcus Belgrave (Trompete) und Harold McKinney (Piano) dazu. Die vier bilden auch – mit Pamela Wise (Piano) und Reggie Workman (Ex-Coltrane-Bassist) – auf den vorliegenden Aufnahmen von »Hometown: Detroit Sessions 1990–2014« den Nukleus der involvierten Musiker, die zehn Nummern sind bis dato unveröffentlichte Neueinspielungen älterer Kompositionen, eigener »Standards« und »neueres« Material aus den im Titel genannten 25 Jahren. Der Stil hier ist allerdings nicht mehr der coole Jazz-Funk der 1970s à la »Message from the Tribe« oder der poetische und explizit afrozentrische Art- und Fusion-Jazz aus jenen frühen Tagen. Die Musik dieses Longplayers knüpft an den Neobop der späten Siebziger an. Konventionelle jazzige Ausgewogenheit, funkige (Bass-)Rhythmen, omnipräsenter Swing und ein mehr oder weniger starker Touch Latin plus hier und dort das unverzichtbare politische Statement ergeben ein reifes Alterswerk, das viele Hördurchgänge völlig unbeschadet übersteht, mit jedem Hören nuancierter klingt. Dies ist eindeutig eines der Alben vom Ende des Jahres 2019, das zu spät für einen der vorderen Plätze in meinen Jahres-Charts kam.

Home / Rezensionen

Text
Hans Grausgruber

Veröffentlichung
30.04.2020

Schlagwörter



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